HUNTER. James Byron Huggins. Читать онлайн. Newlib. NEWLIB.NET

Автор: James Byron Huggins
Издательство: Bookwire
Серия:
Жанр произведения: Языкознание
Год издания: 0
isbn: 9783958354197
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etwa einen Tag alt.«

      Hunter bemerkte erneut das Katana, das auf Takakuras Rücken geschnallt war, zusammen mit der abgesägten Schrotflinte. Die Griffe ragten je über eine Schulter, während der Japaner in den Händen die MP-5 hielt. Zusatzmagazine und Schrotflintenpatronen trug er in einem Patronengurt und an seinem Bein ein großes Kampfmesser.

      Kühl und konzentriert ignorierte Hunter Taylor und sah sich die anderen Männer im Team an. Hunter hatte keine Ahnung, wo die Frau hin war. Er wusste nicht, wem er wirklich trauen konnte, aber im Moment schien Takakura die beste Wahl. Es würde noch genug Gelegenheit geben, mehr über sie zu erfahren. Er ging in die Knie, betrachtete die letzte Spur und versuchte sich vorzustellen, welche Route er selbst im Dunkeln von diesem Hügelkamm genommen hätte. Nach einem Moment fand er sie und stand auf.

      »Sind wir soweit?«, fragte Takakura und schien bereits ein wenig von Hunters Stil des Fährtenlesens zu verstehen.

      »Wir sollten da mal was klarstellen«, sagte Hunter und wandte sich an Takakura, der höflich nickte. »Ich führe und Ihre Leute bleiben etwa hundert Meter zurück. Ganz einfach.«

      »Ich habe keine Einwände.« Takakura legte die Stirn in Falten. »Aber wir haben jemanden, der Ihnen vielleicht helfen könnte. Wie Sie wissen, besitzt jeder einzelne von uns bestimmte Fertigkeiten, die Sie einsetzen können, wie Sie es für richtig halten, um diese Mission abzuschließen.«

      Hunter dachte darüber nach. »Okay. Wer?«

      Ohne Zögern – ein Mann, der an Autorität gewöhnt war – hob Takakura die Hand. »Bobbi Jo!«

      Hunter hob den Kopf und sah das weibliche Mitglied des Teams rasch und mühelos den Hügel empor joggen. Sie war ein paar Sekunden später bei ihnen, nur leicht außer Atem. Sie hielt das riesige Scharfschützengewehr quer vor dem Körper und sah Hunter ausdruckslos an.

      Sie war etwa 1,70 Meter groß und schlank. Die Haare waren dunkelblond und zum Pferdeschwanz gebunden. Sie hatte lebhafte blaue Augen und scharf gezeichnete Gesichtszüge, die darauf hinwiesen, dass sie in exzellenter Form war. Sie trug einen Patronengurt über der Brust, der mit riesigen Stahlmantelpatronen gefüllt war. Hunter schätzte, dass es mindestens Kaliber .50 war.

      Takakura sagte: »Ich habe gerade Mr. Hunter gesagt, dass …«

      »Nennen Sie mich einfach Hunter.«

      Eine Pause – der Japaner nickte. »Hai.« Er fuhr fort und sah dabei Bobbi Jo an. »Ich habe Mr. Hunter gesagt, dass auch du geschickt im Spurenlesen bist. Ich informierte ihn, dass du ihm vielleicht helfen kannst.«

      Hunter fragte geduldig: »Wie viel Ahnung haben Sie?«

      Bobbi klang jung und selbstbewusst. »Ich weiß, wer Sie sind, Mr. …«

      »Einfach nur Hunter.«

      »Okay, Ich weiß, wer Sie sind, Hunter. Ich habe Ihre Arbeit verfolgt und ich bin nicht so gut wie Sie. Das kann ich offen zugeben. Aber ich habe das Tracker-and-Pathfinder-Programm durchlaufen. Bin seit fünf Jahren dabei. Und ich jage seit meiner Kindheit. Also, auch wenn ich nicht so gut bin wie Sie, komme ich ganz gut zurecht und mache keine Anfängerfehler. Ich würde gern mit Ihnen die Spur verfolgen.« Ihr Mund war eine feste Linie.

      Er betrachtete sie. »Okay, wie viele Klauen hat ein Bär?«

      »Fünf.«

      »Wolf?«

      »Fünf.«

      »Wie unterscheidet man einen Kojoten von einem Wolf?«

      »Ein Wolf hat einen größeren hinteren Pfotenballen und die kleine Klaue hinterlässt keinen Abdruck.«

      »Wie unterscheidet sich die Bewegung eines Bären von einem Berglöwen?«

      »Ein Bär streift umher. Nicht auf bestimmten Pfaden, sondern in seinem Territorium. Ein Puma folgt einer Kreisspur. Normalerweise mit etwa fünfzig Meilen Durchmesser. Und er folgt Pfaden.«

      Hunter zog die Augenbrauen hoch. »Okay, aber was macht das für einen Unterschied, wenn man sie jagt?«

      »Man kann die Bewegungen eines Pumas vorausahnen, denn sie bleiben im Allgemeinen auf einer Anhöhe, und wenn man ihre Spur verliert, dann kreuzt man sie einfach, bis man die Spuren wiederfindet. Aber wenn man eine Bärenspur verliert, dann muss man kreisen und diese Kreise jedes Mal erweitern, um ihn zu finden.«

      Hunter nickte. Ja, sie war ziemlich gut. Er fuhr fort: »Wie kann man sagen, ob ein Mann nach rechts oder links geht?«

      »Es gibt mindestens fünfzig verschiedene Druckspuren«, sagte sie mit fester Stimme. »Aber im Allgemeinen wird der Abdruck auf der linken Seite tiefer sein, wenn ein Mann sich nach rechts bewegt. Er drückte sich in die entgegengesetzte Richtung ab, also wird der Abdruck höher sein. Dasselbe gilt für einen Mann, der sich nach links bewegt, nur umgedreht.«

      »Und wenn die Spur auf einem Bergkamm verläuft?«

      »Wenn der Bergkamm auf der linken Seite abfällt und der Mann sich nach rechts bewegt, dann wird die Spur auf der rechten Seite tiefer sein und umgekehrt.«

      Hunter war beeindruckt, aber versuchte sich nichts anmerken zu lassen.

      »Wie kreuzt man?«, fuhr er fort.

      »Wenn Sie mir sagen, ich solle kreuzen, dann würde ich vorausgehen und nach links und rechts ausscheren, um nach Trittsiegeln zu suchen. Wenn Sie nach Süden gehen würden, dann ginge ich nach Osten und Westen und versuchte alles aufzuspüren, was auf einen Richtungswechsel hindeutet.«

      »Und queren?«

      »Queren ist, wenn man sich parallel zur Fährte bewegt und die Sonne auf der anderen Seite ist, damit man auch leichte Abdrücke sehen kann. Man benutzt es normalerweise auf hartem Untergrund oder Fels, wo die Abdrücke sehr flach sind. Das Wichtigste ist, dass das Sonnenlicht genau im richtigen Winkel einfällt, um einen Schatten zu werfen.« Sie hielt inne und verlagerte das Gewicht der schweren Waffe ein wenig. Hunter war erneut beeindruckt, wie leicht sie diese zu tragen schien.

      »Das braucht eine Menge Übung«, sagte er.

      »Ich habe das gelernt, als ich ein Kind war.«

      »Darauf wette ich. Was haben Sie bisher verfolgt?«

      »Bären, Pumas, Kojoten, Wölfe, Hirsche – so ziemlich alles.«

      »Und in letzter Zeit?«

      »In letzter Zeit«, sagte sie und sah ihm ohne erkennbare Emotion in die Augen, »habe ich vor allem Menschen verfolgt und getötet, Mr. Hunter.«

      Hunter betrachtete sie einen Moment. Er wusste, er konnte sie nicht wirklich einschätzen, bevor er sah, wie sie sich in freier Wildbahn schlagen würde; ob sie das Alter einer Fährte bestimmen konnte, wie genau sie alles andere beobachtete, während sie sich durchs Gelände bewegten, wie wachsam sie dem Wald selbst gegenüber war. Aber sie beherrschte offensichtlich die Grundlagen.

      »Okay«, sagte er. »Eine letzte Frage. Wie können Sie erkennen, ob Sie nahe an einer Schlange sind, wenn Sie sie nicht sehen können?«

      Ihre Augen verengten sich. »Man … man kann …«

      Er wartete geduldig. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Takakura einen scharfen Blick zwischen ihnen beiden hin- und herwandern ließ. Dann antwortete Bobbi Jo unverhohlen: »Ich weiß es nicht, Mr. Hunter.«

      Ein Nicken und Hunter zog den Riemen seines Gewehrs strammer. »Sie können mit mir vorangehen.« Er wandte sich an Takakura. »Halten Sie Ihre Männer nur weit genug zurück, damit sie nicht Spuren verwischen, bevor ich sie untersuchen kann. Ist das in Ordnung für Sie?«

      Takakura nickte. »Absolut akzeptabel. Aber wir bleiben in der Nähe, nur, falls es zur Konfrontation kommen sollte.«

      »Lassen Sie uns gehen«, sagte Hunter zu Bobbi Jo und bewegte sich den Abhang hinab. Sie war dicht hinter ihm, ging vorsichtig.

      Sie hatten die Hälfte des Weges zur Basis des Felsens zurückgelegt, als sie etwas sagte.