Während du dich anzogst, bereitete sie den Tee zu und stellte den Quark, den Speck, das Brot und die Zwiebeln bereit. Du isst gerne rohe Zwiebeln. Sie wusste das, und sie stellte dir zu jeder Mahlzeit, die du bei ihr aßest, welche hin. Du lebtest im Haus der Großmutter mütterlicherseits, und dieses Haus, in dem ihr beide lebtet, war von vielen Familienmitgliedern mütterlicherseits bewohnt worden. Als du noch ganz klein warst und sie in der Küche zu arbeiten hatte, hat dich deine Großmutter mütterlicherseits eines Morgens in ein kleines, leeres Fass gesteckt und dich eine Weile dort drin gelassen. An jenem Tag hat dich dein Vater, der dich besuchen kam, bewusstlos in diesem leeren Fass, das starken hausgemachten Alkohol enthalten hatte, gefunden. An jenem Tag hat dein Vater dir das Leben gerettet, als er dich gefunden hat, vergiftet von den Dämpfen des Apfelschnapses, mit dem die Dauben des Fasses getränkt waren. Dein Vater hat deine Großmutter angebrüllt, dann haben sie zusammen ein Glas Apfelschnaps getrunken, und du, du bist auf dem Schoß deines Vaters gesessen und hast wieder gelächelt an der frischen Luft. Dein Vater vertrug den Alkohol. Das machte ihn zu einem großen Trinker. Dein Vater spendierte anderen immer ein Glas. Er trank mit den Leuten, und er spendierte den Leuten, die mit ihm am Tisch saßen, eine Runde. Er trank mit den Arbeitern, auf der Baustelle, nach Feierabend. Die meisten Arbeiter wohnten in Baracken nahe der Baustelle. Diese Arbeiter fuhren nur Samstagabend nach Hause. Am Sonntagabend kehrten sie in ihre Baracken zurück. Nur wenige Arbeiter kamen aus dem Dorf selbst, in dem sich die Baustelle befand. Manchmal lud dein Vater ein paar Arbeiter ins Restaurant ein. Jedes Dorf hat sein Restaurant. Dein Vater ging mit ihnen ins Dorfrestaurant, und sie blieben, bis es zumachte. Dein Vater nahm dich mit ihnen mit, und du verbrachtest den Abend in ihrer Gesellschaft. Du hörtest ihnen zu, du schautest ihnen zu, und ab und zu redetest du mit einem von ihnen. Sie stellten dir keine Fragen. Dein Vater ließ dich leben. Er ließ dich selber lernen. Wenn du ihn etwas fragen wolltest, hörte er dir zu und gab dir immer eine Antwort. Dein Vater erfüllte dir alle deine Wünsche. Du wünschst dir nicht viel. Du batest ihn darum, ein Lotterielos kaufen zu dürfen.
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Die Kleine hat blaugrüne Augen, und sie schaut jetzt die Aktentasche an, in der du Ausschnitte aus Zeitungen, Zeitschriften und Büchern hast. Sie ist einige Schritte von der Aktentasche entfernt, und sie geht auf sie zu, nimmt sie am Handgriff und zieht an ihr. Sie kann die Aktentasche wegziehen, so wie sie ist, gefüllt mit Drucksachen, sie zieht sie einige Meter weit, über das Wohnzimmerparkett. Deine Aktentasche ist braun wie die Schale von gerösteten Maroni, sie war billig, und du bist nur selten mit ihr aus dem Haus gegangen. Seit Monaten benutzt du sie als Ablage für deine Papiere. Es ist eine Aktentasche mit drei Fächern, sie hat ihren Platz gleich neben deinem Zeitungsstapel.
Die Kleine nimmt sich oft von den Zeitungen, die sich neben deinem Schreibtisch türmen, und verschleppt sie in die Wohnung. Sie nimmt eine Zeitung, geht aus dem Wohnzimmer und in die Küche, unter den Tisch, wo sie sie auf den Fliesen liegen lässt. Dann kommt sie ins Wohnzimmer zurück, nähert sich dem Stapel und zieht erneut eine Zeitung heraus. Du tippst in die Schreibmaschine, sie macht deutlich, dass sie auf deinen Schoß will, sie breitet ihre Arme aus, schaut dich an und steht auf ihre Zehenspitzen, dicht neben dir. Du nimmst sie hoch und setzt sie auf deine Knie, vor der Schreibmaschine. Sie drückt auf die Tasten, als würde sie Klavier spielen, mit allen Fingern gleichzeitig, oder mit zwei Fingern einer Hand und drei Fingern der anderen, mit einem Finger der rechten und vier Fingern der linken. Sie bemerkt die Metallbügel, die sich vor ihr bewegen, und sie legt ihre Finger auf diese Metallbügel und auf die Buchstaben, die sie auf die Seite drucken. Die Kleine ist schwarz an ihren Fingern und an ihren nackten Füßen. Du stehst auf und hältst sie mit deiner linken Hand fest, ihr Rücken gegen dich, deine Hand stützt sie am Unterleib, du gehst aus deinem Büro und gehst mit ihr ins Badezimmer, setzt sie auf den Rand des Waschbeckens, drehst den Warmwasserhahn auf, dann den Kaltwasserhahn, nimmst ein wenig Seife und wäschst zuerst ihre Füße, sie lehnt sich nach vorn und möchte am Wasserhahn drehen, du nimmst ihre Hände, eine nach der anderen, und seifst sie ein, hältst ihre Hände unters Wasser, dann ihre Füße, und schließlich wäschst du ihr das Gesicht, das um den Mund herum auch voller schwarzer Flecken ist. Du drehst die Wasserhahnen zu, du zeigst ihr im Spiegel eure Gesichter, du sagst, sie solle den Gesichtern auf Wiedersehen sagen, und sie macht es, wie mit den Schiffen am Seeufer. Du drehst dich zur Badezimmertür um, nimmst ein blaues Frottiertuch, trocknest das Gesicht, die Hände und die Füße der Kleinen, hängst das Frottiertuch an seinen Platz zurück und gehst wieder aus dem Badezimmer, mit der Kleinen in derselben Haltung, in der linken Hand, den Rücken gegen dich. In der Eingangshalle setzt du sie wieder auf den Boden.
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Der Kaffee ist kalt, und es hat nur noch einen Rest in der Tasse. Durch das halboffene Küchenfenster hört man den Lärm der Autos, die auf der Straße vorbeifahren. Die Kleine ist in die Küche gekommen, und sie zeigt mit ihren Händen auf die drei Bilder, die am Kühlschrank kleben, neben der Postkarte aus Guadeloupe. Es sind drei farbige Aufkleber, jedes mit einem Tierkopf darauf, die die Große auf diese Tür geklebt hat: eine Eule, ein Wildschwein und ein Tiger. Die Kleine will diese Bilder anfassen. Du nimmst sie auf deinen Arm, und sie löst die Tierbilder ab. Sie entfernt die Eule und lacht, dann klebt sie die Eule ungefähr an der gleichen Stelle wieder an, dann nimmt sie sie wieder ab, und du sagst ihr, dass sie sie auch anderswo hinkleben könne, auf die Schranktür, hinter der die Gläser und die Teller eingeräumt sind. Sie platziert die Eule auf die Tür dieses Schrankes, nimmt sie wieder ab, und da hast du eine Idee: Du nimmst die drei Tiere und klebst sie weiter unten hin, auf die Tür des Gefrierschrankes. Du setzt die Kleine auf den Boden, vor den Tiger, das Wildschwein und die Eule, und sie klebt sie auf der Gefrierschranktür, wohin es ihr passt, bis zum Augenblick, in dem sie beschließt, sie anderswo hinzukleben, auf den Rahmen der Küchentür. Dann beschließt sie erneut, sie anderswo hinzukleben, auf die Küchentür, alle drei: das Wildschwein, den Tiger und die Eule.
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Du hast im Bett gelegen, das du mit deinem Vater teiltest, er war ausgegangen ins Restaurant mit seinen Freunden, und du hast unter der Decke masturbiert. Ungefähr um neun Uhr abends hast du im Zimmer, das dein Vater bei einem Bauern mietete, masturbiert. Du hattest das Licht ausgemacht, und du hast dein Geschlecht in deiner Hand gerieben, während du dem Geräusch des Windes in den Ästen der Bäume vor dem Fenster gelauscht hast. Dein Vater wollte nicht, dass du masturbierst. Er hat dir in die Augen geschaut, hat seine rechte Hand auf dein Knie gelegt und gesagt: «Du sollst nicht masturbieren.» Er wusste nicht, ob du masturbierst, aber er wollte es wissen. Bevor er aus dem Haus gegangen