Du dachtest, dass du deinem Vater eines Tages alles würdest erzählen können, was du über die Masturbation wusstest, du hattest vor, ihm zu sagen, dass du mehrere Male Leute beim Masturbieren gesehen hattest. Du hattest vor, ihm zu sagen, dass du bis zum Tag, an dem du mit dieser jungen vierundzwanzigjährigen Buchhalterin Liebe gemacht hast, masturbiert hattest.
Du hast Erwachsene im Park deiner kleinen Provinzstadt masturbieren sehen. Du hast Leute gesehen, die zum Angeln gingen und am Flussufer neben ihrer ausgeworfenen Angelrute masturbiert haben. Du hast Schulkameraden deiner Primarschule im Gebüsch des Parks der Schulanlage masturbieren sehen.
Du wusstest nicht, dass auch die Mädchen masturbieren. Deine Schulfreunde der Primarklasse wussten auch nicht, dass Mädchen masturbieren. Die Mädchen deiner Klasse sprachen mit den Jungen nicht über Masturbation. Deine Freundin der Primarschule hat mit dir nie über Masturbation gesprochen. Du wusstest, dass die Mädchen deiner Klasse die Jungen über Masturbation reden hörten, du hast sie angeschaut, und du hast gesehen, dass sie so tun, als würden sie nichts hören, du hast deine Lehrer angeschaut, und du dachtest, dass auch sie masturbieren. Du dachtest, dass deine Lehrer mit Bildern ihrer Frau im Kopf masturbieren oder mit Bildern von Frauen, die an der Schule unterrichteten.
Du hast dir deine Lehrer beim Masturbieren vorgestellt, du hast sie dir nackt vorgestellt, und jeder von ihnen hat sein Geschlecht gerieben wie du und deine Klassenkameraden. Du wusstest, dass die Mitglieder der Einheitspartei masturbieren, du dachtest, dass sogar der Chef der Einheitspartei masturbiert. Du dachtest daran, was dein Vater über die Masturbation sagte, du hattest instinktiv aufgehört zu masturbieren, und du fingst an zu verstehen, dass «masturbieren» nicht nur bedeutet, dass einer sich Befriedigung verschafft, indem er sein Geschlecht in seinen Händen reibt.
Du warst etwas über dreizehn Jahre alt, du warst aus den Ferien bei deinem Vater zurückgekommen, die Schule hatte wieder angefangen. Es war dein letztes Schuljahr vor dem Gymnasium, du hattest mir einer jungen Frau Liebe gemacht, du hast die Mädchen deiner Klasse betrachtet, und du wusstest, dass jede von ihnen eines Tages nackt in einem Bett neben einem Jungen deines Alters oder neben einem anderen Mann liegen würde. Du wusstest, dass du nackt neben einem Mädchen deines Alters liegen könntest, du wusstest, dass du nackt im Bett deiner Freundin liegen könntest. Du wusstest, dass die junge vierundzwanzigjährige Buchhalterin irgendwo war, vielleicht nackt, in einem Bett, neben einem Mann.
Du hast dir deinen Vater nackt neben einer nackten Frau vorgestellt, und du hast sie beide nackt beim Liebemachen gesehen. Du hast dir deinen Vater vorgestellt, wie er mit den Frauen, die er dir vorgestellt hatte, Liebe machte, du hast deinen Vater und eine Frau gesehen, ineinander verschlungen und nackt.
Du hast bekleidete Menschen angeschaut, und dir ist bewusst geworden, wie leicht es ist, sie nackt zu erfassen, du hast verstanden, dass du die Kontur der Körper der Leute durch ihre Kleider hindurch wahrnehmen konntest. Du hast gelernt, die Nacktheit der Menschen zu rekonstruieren, du hast nicht mehr masturbiert. Wenn jemand mit dir geredet hat, galt deine Aufmerksamkeit gleichzeitig seinen Worten und seiner Nacktheit. Du wolltest mit deinem Vater darüber sprechen, was in dir vor sich ging mit den Leuten. Dein Vater ist gestorben ohne zu wissen, dass es zwischen den Jungen deiner Klasse nicht nur die Masturbation gab. Einige von euch gaben sich auch körperlichen Kontakten hin, und diese Körperkontakte imitierten das Liebesspiel zwischen zwei Menschen, du hast diese sexuellen Spiele selber erlebt. Ihr habt so getan, als wärt ihr ein Pärchen, ihr wart nackt. Einer von euch spielte die Rolle der Frau, der andere spielte die Rolle des Mannes, dann habt ihr die Rollen getauscht. Jeder von euch war einmal der Mann und einmal die Frau, ihr seid aufeinander gestiegen, ihr habt euch berührt, ohne dass das Geschlecht von einem von euch in den Anus des anderen eingedrungen ist, ihr habt geschwitzt, und ihr habt eure Körper aneinander gerieben und habt ejakuliert.
Dein Vater ist gestorben, ohne dass du ihm davon hast erzählen können, dass du diese Art von sexueller Lehre kennengelernt hattest. Er wollte, dass du Frauen kennenlernst, und er wollte, dass du mit Frauen Liebe machst, er wollte nicht, dass du masturbierst.
Deine Mutter wusste nicht, dass du masturbiertest, sie kannte deine Spiele nicht, die du mit drei deiner Kameraden triebst. In den Zeiten, in denen du nicht unter demselben Dach wie deine Mutter lebtest, sah sie dich nur selten. Als du bei deiner Großmutter wohntest, lebtest du dein Leben, zu dem die Masturbation und die sexuellen Rollenspiele mit einem deiner drei Kameraden gehörten. Deine Mutter hat nie erfahren, dass du mit der jungen Buchhalterin, die auf der Baustelle deines Vaters arbeitete, Liebe gemacht hattest. Deine Mutter hat angefangen, mit dir über die Sexualität zu sprechen, als du ungefähr sechzehn warst, sie sagte, «du musst dir immer im Klaren darüber sein, was du tust, wenn du mit einem Mädchen ausgehst», sie sagte auch, «du musst dir immer im Klaren darüber sein, was du tust, wenn du mit einem Mädchen schläfst!»
Als deine Mutter mit dir über deine Beziehung zu Frauen gesprochen hat, hast du sie dir nackt vorgestellt, beim Liebesspiel mit deinem Stiefvater, und du hast dir beide nackt in ihrem Bett in ihrer Wohnung im vierten Stock eines Hochhauses mit hundertzwanzig Wohnungen vorgestellt. Es gab Worte, über die du mehr nachgedacht hast als über andere, deine Mutter redete über den sexuellen Akt, du hast sie dir nackt neben deinem Stiefvater vorgestellt, und du hast über das Wort «Stellung» nachgedacht. Dieses Wort dürfte es nicht geben. Du hast über die Sprache einiger deiner Lehrer nachgedacht, über die Sprache der Mitglieder der Einheitspartei, das Wort «Stellung» war mit der Doktrin der Einheitspartei verbunden, es war mit sexuellen Spielen verbunden, es war Teil der Sprache der Jäger, das Wort «Sprache» dürfte es nicht geben. Du hast über den Sinn des Wortes «Schule» nachgedacht, das Wort «Schule» hat mehrere Bedeutungen, das Wort «Schule» dürfte es nicht geben, du hast über das Wort «Rolle» nachgedacht, «Liebe», während deine Mutter dir erklärt hat, wie man sich Frauen gegenüber verhält, du hast über die Wörter nachgedacht, die es nicht geben dürfte.
Das Wort «Schule» hast du schon in verschiedenen Verwendungen gehört, und dein Onkel, der Bruder deiner Mutter, hat oft über das gesprochen, was er «die Schule des Lebens» nannte. Dein Onkel machte einen Unterschied zwischen der Schule, in der man Geographie und Physik lernt, und der «Schule des Lebens». Dein Onkel wusste nicht, dass du masturbiertest, und er hat nie erfahren, wer die erste Frau war, mir der du schliefst. Er nahm dich oft mit, in seinem Dienstwagen, er zeigte dir Leute und Bäume, Häuser und Straßen, Hoftore und viele andere Dinge.
Die Schule, in die du jeden Tag mit einer Tasche voller Bücher und Hefte gingst, war für deinen Onkel ein Bestandteil seiner «Schule des Lebens». Die Schule, in der du deine Freunde und Freundinnen hattest, diese Schule, in der es Lehrerinnen und Lehrer gab, war in der «Schule des Lebens» enthalten, und die «Schule des Lebens» deines Onkels bedeutete alles, was ein Mensch auf Erden erleben und verstehen und lernen kann. Die Einheitspartei war ein winziger Teil der «Schule des Lebens», die Einheitspartei wollte sich durch die Sprach- und Verhaltensweise ihrer Parteimitglieder der Schule des Lebens entziehen, die Einheitspartei war nichts als ein dürres Blatt in der Schule des Lebens, die dein Onkel und der Rest der Welt dir in jedem Augenblick deiner Existenz vorhielten. Die Wörter sind nicht Teil der Schule des Lebens. Die Wörter erfassen kaum etwas von der Welt, sie treiben durch die unendliche Weite dahin und scheinen zu schweben. Die Schule des Lebens hat nichts mit den Wörtern zu tun. Die Schule des Lebens ist all das, was vor jedem Wort und vor allen Wörtern passiert.
Dein toter Vater, vor dir in seinem Sarg aus Holz, war eine Facette dieser Schule des Lebens, die dein Onkel dich zu lehren anfing. Dein Vater, der einige Frauen kannte und der dir jede Frau, die er kennengelernt hatte, vorstellte, benutzte öfters den Ausdruck «sich selber sein»,