Wyatt Earp Staffel 4 – Western. William Mark D.. Читать онлайн. Newlib. NEWLIB.NET

Автор: William Mark D.
Издательство: Bookwire
Серия: Wyatt Earp Staffel
Жанр произведения: Языкознание
Год издания: 0
isbn: 9783740914011
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nahm sogar seinen Melbahut ab und drückte der jungen Frau die Hand.

      O’Brian grinste still in sich hinein.

      Gleich darauf betrat der Sheriff mit der Frau die Hotelhalle.

      Er führte die Neuangekommene zur Rezeption, sprach mit dem Mann, der die Schlüssel und das Gästebuch verwaltete, verabschiedete sich mit einer etwas ungelenken Verbeugung von der wirklich gutaussehenden blonden Frau und wollte zum Eingang zurück.

      Da gewahrte er an einem Tisch Sam O’Brian.

      Sam hob den Kopf und grinste. »Oh, morning, Sheriff.«

      »Ach, sei still, altes Roß. Den Auftritt gestern abend hättest du mir gern ersparen können!«

      »So, weshalb denn? Wenn du dich wie ein wildgewordener Büffel benimmst, wird es Zeit, daß du mal die zivilisierten Manieren einer guten Longhornkuh annimmst.«

      McNally winkte ab und schob sich eine kurze braune Zigarre zwischen die Zähne. Während er ein Zündholz anriß, brummte er: »Ich muß Roßäpfel auf den Augen gehabt haben, daß ich ihn nicht erkannt habe!«

      »Wen?« fragte Sam scheinheilig, während er sich ein Brot mit Käse belegte.

      »Wyatt Earp natürlich. Ich Hammel hatte doch damals erlebt, was der Mann mit dem Colt aufstellte. Es gibt doch gar keinen Mann, der ihm das nachmacht.«

      Sam biß in seine saftige Stulle. »Ich weiß nicht«, meinte er kauend, »er selbst sagte mir unterwegs einmal, daß Doc Holliday wenigstens ebensoviel damit anzufangen weiß.«

      »Holliday?« McNally zog die Stirn in Falten. »Ist der etwa auch in der Gegend?«

      O’Brian fand es plötzlich lustig, so zu tun, als sei das nicht ganz sicher. »Wie soll ich dir das sagen, Jim? Das sind ausschließlich Angelegenheiten des Marshals.«

      »Nun brich dir mit deinem Marshal mal keine Sporen ab, alter Krauter!« kurrte der Sheriff grimmig. »Ganz schön habt ihr mich hier blamiert.«

      »Selbst schuld. Übrigens bin ich überzeugt, daß du Elefant das schnell wieder reparierst, wenn wir weg sind.«

      »Werde ich müssen!« Er wischte sich durch den Nacken. »Äh, ich habe was gegen die Popularität dieser Leute. Wyatt Earp! Wer ist er schon? Ist er mehr als ich? Mehr als wir?«

      »Yeah, Jim«, erklärte O’Brian. »Er ist ein anderer Mann als du und ich. Er ist mehr, viel mehr wert als wir beide zusammen und noch ein Schock tapferer Sternträger dazu. Tja, das verstehst du natürlich nicht. Ich hätte es vielleicht auch nicht verstanden. Aber jetzt bin ich eine ganze Zeitlang mit ihm geritten. Er ist... ich weiß gar nicht, wie ich das sagen soll, Jim, jedenfalls ist er ein besonderer Mensch. Er weiß immer alles genau und zur rechten Zeit, übersieht alles schneller und gründlicher, tut eigentlich nie was Falsches – und ist zu all seinen Fähigkeiten, die ihn als Sternträger auszeichnen, eigentlich völlig überflüssigerweise ein guter Mensch. Ich meine es noch anders... aber, tja, ich kann es nicht so ausdrücken. Sieh mal, der Holzwurm gestern abend, der aus dem Saloon gefeuert worden war, lag am Boden. Ich weiß nicht, Jim – ich wäre weitergeritten. Du sicher auch. Und die meisten von uns. Schließlich haben wir Ärger genug.«

      McNally saugte hastig an seiner Zigarre. »Weshalb seid ihr denn wieder in der Stadt? Hat er denn etwas erreicht? Ich meine in der Sache mit dem Toten im Eis?«

      In diesem Augenblick kam der Marshal von draußen herein. Er hatte schon nach den Pferden gesehen und einen Besuch auf der Post gemacht.

      McNally tippte an den Hutrand. »Morgen, Marshal.«

      »Guten Morgen.« Wyatt nahm neben O’Brian Platz. »Haben Sie schon gefrühstückt?«

      »Yeah – eine Tasse Kaffee im Office.«

      »Setzen Sie sich. Wir bestellen etwas dazu.«

      McNally winkte ab. »Thanks, ich habe einen eiligen Ritt auf eine Berg-Ranch. Da ist gestern ein Pferd gestohlen worden.«

      Wyatt nickte. »Pferdediebe gibt es also auch hier.«

      McNally grinste breit und verabschiedete sich.

      Als die Tür hinter ihm zufiel, meinte O’Brian: »Ich werde das Gefühl nicht los, daß der Pferdedieb bondes Haar hat, hellblaue Augen und eine Figur wie... na, jedenfalls scheint es sich hier mehr um eine Herzensdiebin zu handeln...«

      Dann berichtete er von der Frau, die McNally an der Overland abgeholt und ins Hotel gebracht hatte.

      Gegen acht sattelten die beiden ihre Pferde.

      Als sie am Sheriffs Office vorbeiritten, stand Jim McNally in der Tür. »Guten Ritt, Marshal!« rief er. »Und sehen Sie zu, daß der Graukopf wieder heil in sein Nest kommt. Er gehört zwar nicht zu meinem County, aber hier im Land wird jeder Sheriff gebraucht.«

      Wyatt nahm seine große schwarze Zigarre aus seinen blitzendweißen Zähnen und versetzte: »Schade, ich hätte ihn gern als Deputy in Dodge City angeworben.«

      McNally grinste. Dann kam er langsam und mit dem obeinigen Gang eines Reiters auf die Straße. »Haben Sie sich den Toten im Eis immer noch nicht aus dem Kopf geschlagen, Earp?«

      Wyatt sog an seiner Zigarre und blickte den County-Sheriff aus halbgeschlossenen Augen an. »Vielleicht hätte ich weniger Arbeit gehabt, wenn sich ein gewisser Sheriff auch ein bißchen darum gekümmert hätte.«

      »Gekümmert, gekümmert!« knurrte McNally. »Ich habe Arbeit genug. Und wenn Sie meinen Lohn bekommen würden, dann hätten Sie längst...«

      »Ich bekomme auch nicht das Gehalt des Präsidenten«, versetzte der Missou­rier kühl, nahm die Zügel auf und sagte: »So long!«

      Dann ritt er, von Sam O’Brian gefolgt, davon.

      Erst, als sie bereits eine halbe Meile zurückgelegt hatten, warf der Alte plötzlich den Kopf herum. »He, Wyatt, wo reiten wir denn hin? Das ist ja die falsche Richtung. Wir kommen ja hier nach Norden zurück in die Berge!«

      Wyatt nickte. »Yeah, das habe ich auch schon bemerkt.«

      O’Brian sah seinen Begleiter forschend an. »Machen Sie keine Scherze. Sie haben sich doch nie und nimmer in der Richtung geirrt!«

      Wyatt blickte ihn lächelnd an. »Nein, das habe ich auch nicht. Wir reiten nach Norden.«

      »Aber da kommen wir doch her...«

      »Richtig, und dort reiten wir auch wieder hin.«

      »Wohin?«

      »Auf den Bärensee zu.«

      Dem Alten dämmerte noch nichts.

      Da erklärte der Marshal: »Heute nacht kam mir der Gedanke, daß es das beste ist, wenn wir zum Bärensee reiten. Wer sagt uns, daß Norton erst hier am Jacksonsee mit dem Banditen zusammengetroffen ist? Am Bärensee jedenfalls war er noch allein. Also muß er ihm auf dieser Strecke auf die Fersen gekommen sein. Wir sind von Fort Benton aus nicht scharf nach Süden auf den Jacksonsee zugeritten, weil ich in das Gebiet der Cheyennes wollte, das ja weiter östlich liegt. Wir sind also nicht auf Nortons Spurren geritten. Das beweist sein Passieren des Bärensees...«

      »Well, aber er kann viele Wege von Montana hinunter zum Bärensee weitergeritten sein.«

      »Das stimmt. Aber ich werde diesen Weg finden.«

      Der kleine Bärensee lag inmitten der Sunlight-Mountains in der Nähe von Wapiti.

      Der Missourier hoffte, daß er auf der Neunzigmeilenstrecke eine Spur von Jack Norton finden würde.

      An einem glasklaren Morgen hielten die beiden Reiter auf einer Höhe und blickten in ein schluchtartiges Tal, an dessen nördlichem Ende eine Stadt lag.

      O’Brian deutete auf die fernen Häuser. »He, da liegt ja San Francisco!«

      Obgleich ihm nicht sehr danach zumute war, lachte der Missourier.

      O’Brian