Gerda sagte, heute fahre ich euch zur Stunde, ich fahre zweimal. Zuerst fahre ich meine Eltern und Tante Martha (meine Mutter), bei der zweiten Fahrt kann ich Erika, Louis und Linde mitnehmen. Erika erzählte wie sehr sich ihre Eltern auf ihr Enkelkind freuen würden, das sie bald bekäme. Gerda hat ihre Schwester zur Untersuchung bei Dr. Tina abgeholt. Anscheinend war alles in Ordnung. Linde sagte zu mir: „Mensch Louis, stell dir vor, ich werde Tante.“ „Schade“, antwortete ich, „meine Schwester ist noch zu jung, ich kann noch nicht Onkel werden. Du bist sicher eine tolle Tante, wenn du das Kind mitbringst, können wir mit ihm spielen.“ Linde lachte und meinte: „Du darfsch dem Baby die Windeln wechseln, denn schpiele kasch no nit, es isch a Baby.“ Gerda war zurückgekommen und hielt mit dem beigefarbenen VW neben uns. Gerda sagte zu mir: „Du kansch vorne sitzen, dann zeige ich dir, wie man Auto fährt.“ Sie zeigte mir, wie die Gänge bei einer H Schalung liegen und wie man Gas gibt, bremst und kuppelt. Sie sagte: „Wenn ich nachts fahre, muss ich den Abblendschalter mit dem linken Fuß bedienen, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Oft ist es ungünstig, wenn ich gerade die Kupplung trete, kann ich nicht abblenden. Es wäre günstiger, wenn man mit einem Handschalter abblenden könnte. Schau, hier ist der Winker. Ein beleuchteter Winker klappte hinter der Türe aus einer Mulde und zeigt, dass man abbiegen will. Esthers Renault hatte eine Treibstoffanzeige, die suchte ich beim VW vergeblich. Gerda sagte: „Rechts, neben dem Gaspedal, in der Mitte ist ein Benzinhahn, wenn der Motor anfängt zu stottern, muss ich den Hebel umlegen, ich versuche es mit dem Fuß, der Motor bekommt dann vom Reservehahn nochmals sechs Liter Benzin, damit kann ich bis zur nächsten Tankstelle etwa 50 km fahren. Natürlich ist es blöd, wenn ich gerade einen Lastwagen überhole und mein Motor fängt an zu stottern, dann muss ich bremsen, oder ganz schnell mit meinem rechten Fuß den Hebel finden und wieder Vollgas geben. Inzwischen schreibe ich beim Tanken den Tachostand auf, dann weiß ich, dass ich nach 300 km tanken muss. Beim Renault war die Hupe an einem Hebel am Lenkrad. Beim VW war die Hupe in der Mitte des Lenkrads, das fand ich praktischer. Ich fragte Gerda, wie viel PS der VW hatte. „Das weiß ich doch nicht“, sagte sie, „aber im Handschuhfach liegt eine Betriebsanleitung, da steht es sicher darin“. Der VW hatte damals 28 PS und verbrauchte auf 100 km 11 bis 12 Liter Benzin. Gerda freute sich, weil sie sich mit mir über das Auto und das Fahren unterhalten konnte. Diesmal war die Stunde beim Schlader-Bauer. Die Bauern waren erstaunt, weil Gerda mit einem neuen VW fahren durfte. Manche fanden es problematisch, wenn Frauen Auto fuhren, sie meinten, Frauen könnten es nie richtig lernen. Einer sagte zu Gerda: „Wenn i dei Chef wär, no dät i dir mei Auto nit geh. Du bisch doch au für den Führerschein no viel z’ jung.“ Gerda lachte und sagte: „Wenn du mein Chef wärsch, no dät i glei kündige, denn bei dir dät i des nit lang aushalte, on dei Auto wollt i au gar nit fahre, aber damit du mir au glaubsch, zeig i dir mein Führerschein.“ Alle schauten sich das graue Papier an. Sie konnten es kaum fassen, dass ein so junges Mädchen den Führerschein hatte. Der Gerner war stolz auf seine Tochter, als der Senders-Bauer sagte: „Ja da sin alle wieder neidisch auf den Gerner. Erscht hen sie gsagt, er wär nit imschtand ein Kerle für sein Hof zu kriege, on jetzt hat dr Gerner lauter tüchtige Mädle, die oft mehr könnet als mancher Kerle. Schaut euch d' Erika an, was die Frau aus dem Ochsen in der kurze Zeit gmacht hat. Als d' Erika ein Biergarten anglegt hat, hen d' Männer gsagt, es wär en Quatsch, on heut schtaunet se, wie die Leut am Wochenende im Biergarten sitzet, on ich han gschtaunt, als i im Ochse a Bier tronke han, on den Deich-Bauer mit em Schondel-Bauer on em Holz-Bauer im Biergarten troffe han. On am beschte hat mir‘s gfalle, dass ausgrechent der Ankerwirt, der bloß 200 Meter entfernt isch, on sich über den Biergarten fascht z' tot glacht hat, jetzt au en Biergarten anlegt. Aber meine liebe Brüder on Schwestre im Herrn, wenn ich ein von euch beim Ankerwirt seh, dem kündige ich meine Freundschaft, denn der Ankerwirt isch katholisch un kein Glaubensbruder. Ich muss scho sage, da hat der alte Ochsenwirt Glück g'habt, dass er so a tüchtige Schwiegertochter kriegt hat. On im junge Ochsenwirt sieht mer an, dass er in sei Erika verliebt isch. Mei Frau war kürzlich bei Gerdas Chefin, d' Frau Dr. hat gsagt, sie hatte noch nie so a tüchtige Schprechschtundehilfe un sie würde d' Gerda nie mehr fort lasse. Un jetzt kommt des Mädle scho mit dem VW ihrer Chefin zur Schtond.“ Der Senders-Bauer klopfte dem Gerner auf die Schulter und sagte: „Ha Gerner, do kasch scho Schtolz sei auf deine hübsche Töchter, aber dass sie so hübsch sin, das liegt nit an dir, das verdanksch deiner Frau, un jetzt musch bloß no für die Linde sorge, on die hat ihr Herz au uf em rechte Fleck, die wird sicher genauso tüchtig wie deine andre Töchter. On wenn du unsern Herrgott bittesch, no wird se sicher a tüchtige Bäurin on macht was gscheits aus deim Hof.“ Alle Glaubensbrüder und Schwestern lachten und gratulierten Gerners. Linde und ich konnten uns diesmal von der Stunde nicht drücken. Wir saßen mit den Erwachsenen auf den Schrannen und hörten zu. Der alte Schondel-Bauer stand auf und sagte: „Ja meine liebe Brüder und Schweschtre im Herrn, in der Bibel schteht wörtlich gschriebe, „das Weib schweige in der Gemeinde.“ Leider hält sich keiner mehr dra, erscht hat mer de Fraue s' Wahlrecht gebe, on jetzt fahret se Auto, on irgendwann, wenn dr Adenauer gschtorbe isch, no wird a Frau womöglich Bundeskanzlerin on regiert uns in Deutschland. Aber des erleb i zum Glück nimmer. Was werdet au no für Zeite komme!“ Der Senders-Bauer, der heute Stunde hielt und die Bibel auslegte, sagte: „Schondel-Bauer,