Soulmates: Ruf des Schicksals. J.L. Langley. Читать онлайн. Newlib. NEWLIB.NET

Автор: J.L. Langley
Издательство: Bookwire
Серия: Soulmates
Жанр произведения: Языкознание
Год издания: 0
isbn: 9783958235281
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in seinem Bauch, das beängstigend und verlockend zugleich war, und versuchte die seltsamen Reaktionen zu deuten. Seit er ein Welpe gewesen war, hatte er nicht mehr die Kontrolle über seine wölfischen Instinkte verloren. Dann traf es ihn wie ein Schlag.

      Meine Gefährtin ist auf der anderen Seite dieser Tür.

      Wie war das möglich? Noch nie hatte er von einem weiblichen Werwolf gehört. Dieses genetische Merkmal war ausschließlich bei Männern dominant. Frauen konnten zwar das Werwolf-Gen in sich tragen und weitergeben, aber sie verwandelten sich nicht in Wölfe. Könnte seine Gefährtin aufgrund eines Angriffs verwandelt worden sein? War das überhaupt möglich? Angriffe durch Werwölfe waren extrem selten. Noch nie hatte er gehört, dass eine Frau verwandelt worden war, aber nur, weil er noch nie davon gehört hatte, hieß das nicht, dass es unmöglich war.

      Er schloss die Augen und lehnte die Stirn gegen das kühle Holz der Tür. Sein Herz klopfte voller Erwartung. Mit seinen dreißig Jahren war er hierfür mehr als bereit. Er hatte noch genug Zeit, herauszufinden, wie sie zum Wolf geworden war, nachdem er sie näher kennengelernt hatte. Im Augenblick jedoch kochte die Aufregung in ihm hoch. Endlich hatte er seine Gefährtin gefunden.

      Er tat mehrere tiefe Atemzüge, um die Kontrolle über seinen Körper zurückzuerlangen. Nicht, dass es seine Gefährtin stören würde, falls sie wach war, aber wenn einer seiner Angestellten hereinkommen würde, hätte er ihnen den Schreck ihres Lebens verpasst. Nach einem kurzen Moment der Konzentration zogen sich seine Zähne zurück und als er die Augen öffnete, sah er wieder normal. Sein Schwanz jedoch war noch immer steinhart. Chay rückte seine Arbeitshose zurecht und versuchte, seine Erektion weniger offensichtlich aussehen zu lassen – jedoch ohne großen Erfolg. Unwillig, noch länger zu warten, öffnete er die Tür.

      Der kleine, weiße Wolf war in eine dunkelblaue Decke gewickelt und lag mit dem Rücken zu ihm auf dem Untersuchungstisch. Das geronnene Blut wirkte obszön grell auf dem matten Fell. Dort, wo das Fell nicht mit Blut besudelt war, hatte es einen leicht goldenen Schimmer. Chay hätte wetten können, dass es sich als Mensch in platinblonde Locken verwandeln würde.

      Irgendwie hatte er immer gewusst, dass seine Gefährtin keine Indianerin sein würde, obwohl seine Mutter ihm das immer hatte einreden wollen.

      Aber er hatte sich schon immer von blondem Haar angezogen gefühlt, auch wenn seine Mutter nichts von Rassenvermischung hielt. Sie würde ausflippen, wenn er ihr diese Gefährtin vorstellte.

      Chay grinste. Na ja, sie hatte in dieser Hinsicht absolut kein Mitspracherecht. Ein Wolf suchte sich seine Gefährtin nicht aus, sie war ihm vorherbestimmt. Es war Schicksal oder Gottes Wille oder was auch immer. Es war einfach so. Zum Glück war sein Vater nicht so vorurteilsbeladen.

      Die dunklen Riemen des Maulkorbs hoben sich deutlich sichtbar vom hellen Fell ab und zogen Chays Aufmerksamkeit auf sich. Er knurrte über diese Entwürdigung und ging zum anderen Ende des Untersuchungstisches. Schnell löste er die Riemen und warf das Ding auf den Boden.

      Mit den Fingern tastete er nach der Halsschlagader und suchte einen Puls. Das Herz schlug schneller, als es in menschlicher Form der Fall gewesen wäre, und langsamer als bei einem aufmerksamen, wachen Wolf, aber nicht langsam genug, um Grund zur Besorgnis zu geben.

      Er fuhr mit der Hand durch das weiße Fell und genoss das weiche Gefühl, als er die Kopfwunde untersuchte. Frank hatte recht gehabt. Sie sah gar nicht so schlimm aus, aber Chay musste sie säubern, um sicherzugehen. Er wandte sich der Vitrine hinter ihm zu und holte Verbände und Desinfektionsmittel heraus, um die Wunde zu versorgen. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass es nur ein Streifschuss war, begann er, die Wunde zu verbinden.

      Um ein Antibiotikum oder eine Tetanusspritze brauchte er sich nicht zu kümmern. Werwölfe bekamen keine Infektionen oder Viren. Seine Art hatte ein äußerst effektives Immunsystem.

      Nachdem sie sich zurück in ihre menschliche Gestalt verwandelt hatte, würde die Kopfwunde komplett verheilen. Für gewöhnlich wäre das schon längst passiert, aber der Blutverlust hatte wohl die Immunreaktion seiner Gefährtin verlangsamt. Chay beugte sich vor und vergrub seine Nase für einige Sekunden in ihrem Nackenfell.

      Der Geruch war würzig und… holzig? Nach Wald. Irgendwie moschusartig. Das war ja seltsam. Den meisten Frauen haftete ein süßer, blumiger Duft an. Trotzdem war das seltsame Aroma sehr angenehm. Berauschend. Sein Schwanz begann zu zucken, und ließ ihn leise aufstöhnen. Er stand da und ermahnte sich dazu, sich zu beherrschen. Zunächst musste er sich um seine Gefährtin kümmern. Später war noch genug Zeit für alles andere. Er trat einen Schritt zurück und grinste ein bisschen dümmlich.

      »Okay, Little Bit, lass uns das hier loswerden.« Chay griff nach einem Zipfel der Decke und zog sie behutsam zurück.»Ich muss sichergehen, dass du keine weiteren Verletzungen hast.« Schließlich gelang es ihm, die Decke zu entwirren, und er zog sie gänzlich von dem reglosen Körper.

      Er musterte den Körper seiner Gefährtin und fing bei ihrem Kopf an. Beim Anblick des platinfarbenen Fells musste er lächeln, ehe er seinen Blick über ihre schlanke Statur gleiten ließ.

      »Ich wette, deine Augen sind…«

      Er keuchte, taumelte nach hinten und schlug sich eine Hand vor den Mund. Nein, das konnte nicht wahr sein. Er sah Dinge… Dinge, die nicht da sein dürften.

      Chay blinzelte und sah erneut hin. Nein, es war da. Es musste sich um einen Irrtum handeln. Sein Körper, seine Sinne, sie mussten sich getäuscht haben. Das war nicht seine Gefährtin. Es konnte nicht sein…

      Er schloss die Augen und nahm einen tiefen Atemzug. Es konnte nicht wahr sein – war es aber. Er konnte nicht verleugnen, was er fühlte. Dieser Wolf war ihm vorherbestimmt. Aber wie konnte das sein? Das ergab keinen Sinn. Offenbar hatte er doch recht gehabt. Frauen waren keine Wölfe – und sein Gefährte war keine Frau.

      ***

      Sein Kopf schmerzte. In Gedanken war Chay jedes mögliche Szenario durchgegangen, das ihm einfiel, um eine plausible Erklärung für die Reaktionen seines Körpers auf den weißen Wolf zu finden. Aber keine ergab mehr Sinn als die, dass es sich hierbei um seinen Gefährten handelte.

      Noch rätselhafter als seine körperlichen Reaktionen war die Tatsache, dass er bei Weitem nicht so verstört war, wie er es hätte sein müssen. Irgendetwas an dem kleinen Wolf wirkte ungemein anziehend auf ihn. Und das bestärkte ihn mehr als alles andere darin, dass dies wirklich sein Gefährte war. Nie zuvor hatte er bei einem Mann eine solche Anziehung verspürt.

      Sicher, er schaute ab und zu anderen Männern hinterher. Aber das tat doch jeder, oder? Eine attraktive Person war nun mal eine attraktive Person… richtig? Ja, er und sein Mitbewohner auf dem College hatten sich ein paar Mal gegenseitig einen runtergeholt. Aber das war doch nur harmlose Spielerei gewesen. Oder nicht?

      Der Punkt war, dass kein anderer Mann ihn jemals so erregt hatte. Sein Schwanz war hart genug gewesen, um damit Glas zu schneiden, als er das erste Mal den Geruch des weißen Wolfs in die Nase bekommen hatte.

      Nachdem alle anderen für heute Feierabend gemacht hatten, schloss er ab, zog sich um und ging sogar hinaus, um seinen Wagen vorzuheizen. Der Tag war etwas kühl für den Herbstanfang und er wollte nicht, dass der andere Mann fror. Und zu guter Letzt hatte er immer noch einen Ständer. Scheiße! Immerhin kaschierte seine Jeans das einigermaßen und sein Mantel reichte ihm fast bis zu den Knien.

      Chay packte seine Tasche, die er mit zu Bob McIntyre nehmen wollte, und verfrachtete seinen Gefährten auf den Rücksitz seines Pickups. Er wickelte eine Decke um den schmalen Körper und schnallte ihn an. Dann strich er noch mal über das weiche Fell, bevor er die Tür schloss und sich hinter das Lenkrad schwang.

      Als er auf der Straße war, kramte er sein Handy hervor und rief seinen Vater an.

      Joe Winston nahm beim zweiten Klingeln ab. »Hallo, Sohnemann. Wie geht's?«

      »Ich wünschte, du würdest das lassen. Das ist gruselig.«

      »Was?« Die Stimme seines Vaters sprühte vor Erheiterung.

      »Du weißt genau, was.«