Über 400 Seiten Lena Nitro. Lena Nitro. Читать онлайн. Newlib. NEWLIB.NET

Автор: Lena Nitro
Издательство: Автор
Серия:
Жанр произведения: Контркультура
Год издания: 0
isbn: 9783961930272
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      Osterhäsin findet alle Eier

      Oh Mann, ich habe es mal wieder geschafft, dass ich nicht Nein zu meinen Eltern sagen konnte.

      Wie das alles angefangen hat?

      Naja Ostern stand vor der Tür und ich hatte mich eigentlich schon mit meinem Nachbarn verabredet, weil ich der Meinung war, dass er auch nicht allein zu Hause sitzen musste und ich mich ja auch nicht drum gerissen hatte, ohne Sex und ohne Spaß bei meinen Eltern zu versauern.

      Wir hatten uns das wirklich schön ausgemalt. Er wollte mich zum Essen einladen, denn kochen war nicht seine Stärke. Er auch sehr wählerisch war, wenn es darum ging etwas zu essen, wollte er zu unserem Lieblings-Chinesen. Da gab es immer was Gutes und wir würden auch beide satt werden. Die Nacht wollte ich dann bei ihm verbringen, denn ich hatte es ja auch nicht weit bis nach Hause und wenn ich aufstand, dann brauchte ich nur zur einen Tür raus und in die andere wieder rein. Wir wollten Ostern durchvögeln. Seitdem ich bei seinem Geburtstag in eine Gruppennummer geraten war, hatten wir leider keine Möglichkeit mehr uns zu treffen, aber es war auch nicht schlimm. Ich hatte so viele Termine, dass ich auch gar keine Zeit hatte.

      Einen Monat vor Ostern erhielt ich dann den Anruf meiner Eltern und sie wollten genau das, was ich nicht wollte. Ich sollte Ostern bei ihnen bleiben. Bitte alles, aber nur das nicht. Es war doch immer dasselbe. Ich musste meine Nester noch im Garten suchen, dann würden wir Mittag essen und den Rest des Tages vorm Fernsehen die ganzen Filme anschauen, die dann kommen würden. Am Montag gibt es dann aufgewärmtes vom Vortag und dann würde ich wieder nach Hause fahren. Ich sagte ihnen eigentlich ganz lieb ab, weil ich mit meinem Nachbarn schon essen gehen würde und dann auch mal ein ruhiges verlängertes Wochenende bräuchte. Aber meine Mutter war eine Frau der hartnäckigen Sorte. Sie wollte mich mit allen Möglichkeiten zu sich locken.

      Dann sollte ich ihn doch mitbringen, wenn er auch allein war. Au, ja das wollte er ganz bestimmt. Sie war ganz vernarrt in ihn, weil sie ihn damals kennengelernt hatte als sie einen Geburtstag hatten und er mich begleitete. Sie hatten sich gut verstanden und er hatte auch die ganze Meute unterhalten und nun sollte das von ihr aus am liebsten wiederholt werden. Aus Anstand hatte er sie zu seinem Geburtstag eingeladen, aber da fuhren sie gerade in den Urlaub, was mein Glück war, sonst hätte ich nicht so viel Spaß gehabt.

      Aber nun hatte ich ein echtes Problem. Denn meine Mutter meinte, dass ich ihn mal fragen sollte, ob er nicht lieber mit zu uns kommen wollte und dass wir das mit dem Essen gehen auch mal wann anders machen könnten. Es war wirklich nicht das, was ich haben wollte. Es war aber auch schwer meinen Eltern was abzuschlagen. Ich versprach, dass ich fragen würde, aber dass ich nicht glaube, dass er kommen würde.

      Wie immer hatte ich die Rechnung ohne meine Mutter gemacht. Denn als ich ihn nach zwei Wochen immer noch nicht gefragt hatte, weil ich das Risiko gar nicht erst eingehen wollte, dass wir zu ihnen fahren, hatte meine Mutter ihn selbst angerufen. Allerdings hat sie an diesem Tag auch ein bisschen die Tatsachen verdreht. Die hat hatte ihm erklärt, dass ich ja unbedingt zu ihnen kommen wollte, aber sie nicht kann, weil wir ja essen gehen wollten und das er jetzt auch gern mitkommen kann. Denn die letzte Einladung war ja auch nicht ganz passend und dafür wollten sie sich eh noch revanchieren.

      Prima. Das war genau das, was man ihm sagen musste. Denn es war nicht gerade leicht, dass man ihr dann absagen konnte.

      Mein Nachbar sagte dann wohl oder übel zu und kam am Abend zu mir und fragte mich, was er denn zu Ostern für meine Eltern besorgen sollte. Ich wusste erstmal gar nicht was los war, aber dann verstand ich es. Meine Mutter hatte es natürlich nicht für nötig gehalten mir zu sagen, dass sie ihn überredet und eingeladen hatte und so musste ich nun damit vorliebnehmen. Ich freute mich sowas von überhaupt nicht und wollte ihn auch darauf vorbereiten, dass es das langweiligste Wochenende seines Lebens werden würde. Aber er meinte, meine Mutter war ja so nett. Da kann ich auch nicht dagegen sagen.

      Gut, damit hatte ich auf voller Linie verloren. Aber ich konnte meinen Eltern eben auch nicht nein sagen und ebenso wenig nicht den Kopf waschen. Es war wirklich ein Graus. Also musste ich alle meine Sachen für Ostern packen und wusste, dass mir was ganz Tolles entgehen würde. Ein niveauvolles Wochenende mit einem netten Mann und viel Sex. Denn bei meinen Eltern konnten wir es nicht treiben. Wir hätten getrennte Zimmer und wenn die das mitbekommen würden, dann wäre er mein Freund gewesen. Und ich konnte mich eh schon darauf einstellen, dass ich ein paar Fragen in diesem Bezug über mich ergehen lassen musste. Wie Freund, kann ich schon meine Mutter hören. Seit ihr nun fest zusammen oder nicht?

      Mein Nachbar holte mich ab und wir fuhren gemeinsam zu den Eltern. Auf der Fahrt warnte ich ihn noch einmal vor den Dingen, die gewöhnlicherweise im Hause meiner Eltern passierten. Aber er machte sich nichts daraus. Er meinte, dass wir es überleben werden und dass wir das Wochenende einfach nachholen würden. Das war meine Hoffnung, dass wir unser Vorhaben an einem anderen Wochenende wiederholen würden.

      Wir waren noch nicht richtig bei meinen Eltern gekommen, da waren schon die ersten Fragen zu hören. Sie wollten wissen, ob wir in getrennten Zimmern schlafen und wann wir uns denn morgens immer aus dem Bett bewegen. Denn wenn der Osterhase kommt, dann dürfen wir den nicht sehen. Ich fühlte mich wieder wie vier und es war mir maßlos peinlich, dass ich wieder so behandelt wurde. Eine Frau, die Sex mehr liebte als alles andere und die auch ihr Geld damit verdiente, sollte wieder Osternester suchen und den Hasen essen, den sie die ganze Zeit aufgezogen hatten. Gott sei Dank, hatte ich ihn mir nicht angesehen. Mir wurde es immer ganz schlecht, wenn ich daran dachte, dass mein Vater ihm dann an Ostern das Fell über die Ohren ziehen würde. Ich war dafür einfach nicht geeignet. Aber ich hatte es auch schon in frühster Kindheit miterleben müssen und war auch nicht scharf darauf, es dieses Jahr wieder anzusehen. Eigentlich war abgemacht, dass ich erst dann das Haus meiner Eltern betrete, wenn der Hase schon tot ist. Mein Vater hat mir diesen Wunsch bisher auch immer erfüllt und es schon den Abend vorher getan.

      Kaum dass wir am Tisch saßen, an diesem Ostersamstag, war schon wieder Stimmung im Haus. Mein Vater hatte den guten Schnaps ausgepackt und es gab wieder ordentlich zu trinken. Und schon waren alle angetrunken. Wie jedes Ostern. So hatten alle Ihren Spaß. Da merkte man, dass sie näher mit dem Vater zusammen waren als ich. Und noch schlimmer war es, als meine Mutter dann auch noch die Bilder von mir und meinen ganzen Osterfesten auspackte. Das schlimmste daran war, dass sie auch die Bilder aufgeklebt hatte, in denen ich schon einen kleinen Kilometerzähler in meinem Schritt hatte. Da musste ich mich dann immer ordentlich anziehen und das geilste war das Bild, wo ich mit der Regenjacke im Hof stand, weil es die ganzen Ostern geregnet hatte. Es war so peinlich. Ebenso wie der Rest von Ostern. Mein Vater versteckte Sonntag früh um sechs die Nester. Das Problem war, dass die Nachbars Katzen das auch mitbekommen hatten und die haben sich ein bisschen von der Schokolade geklaut. Das war aber auch nicht schlimm. Ich meine, ich hatte ein Überraschungspaket im Nest mit einem Kuscheltier. Meine Eltern sind echt süß und ich liebe sie über alles, aber ich bin halt auch schon ein bisschen zu groß und wäre froh, wenn sie das auch mal merken würden.

      Meine Oma hat mir einen Umschlag mit Geld dagelassen und einen Beutel von ihren Plätzchen. Die waren zwar noch von Weihnachten, aber meine Oma konnte halt nichts umkommen lassen. Das hat sie von Kind auf gelernt und das war auch in Ordnung. Ich freute mich, als das Nester suchen vorbei war. Sie hatten ein kleines Geschenk-Set für meinen Nachbarn mit Düften und er hatte für meine Eltern Badekugeln und neues Rasierzeug für meinen Vater. Als sie sich da letzte Mal unterhalten hatten, hatte mein Vater gestritten, dass es bestimmte Klingen nicht mehr geben würde und dass man dann den Rasierer wegschmeißen kann. Es war wirklich ein bisschen peinlich, aber die Herren probierten es aus und schon war alles wieder ok. Als meine Mutter in die Küche ging um den Braten zu machen sollte ich mitkommen. Sie wollte sich mit mir unterhalten. Sie meinte, dass ich doch endlich mal mit diesem Mann mein Leben teilen sollte und