Probleme vom Typ a treten dann auf, wenn etwa eine Institution, für die bisher Probleme vom Typ y kennzeichnend waren, sich auf neue Aufgaben einlässt, für die es vielleicht auch schon Modelle gibt, die aber für die spezifische Problemlage transformiert werden müssen. So kann eine Drogenberatungsstelle, die bisher schon Erfahrungen in der Suchtprävention in Schulen gemacht hat, aufgrund von neuen Möglichkeiten, die das Sozialministerium eröffnet hat, zusätzlich die Aufgabe übernehmen, Suchtprävention im Kindergarten langfristig zu gestalten. Zur Prävention und zur Suchtprävention gibt es genügend theoretisches und handlungsmethodisches Material, die praktischen Erfahrungen der Mitarbeiter in den Schulen sind profund und es sind auch einige Erfahrungen mit der Suchtprävention im Kindergarten zumindest ansatzweise in anderen Regionen bereits gemacht worden. Die Übertragbarkeit muss nun überprüft werden, es muss gefragt werden, ob Prävention wirklich im Kindergarten das geeignetste Konzept ist oder nicht vielleicht besser neuere Konzepte der Gesundheitsförderung der Aufgabe angemessener sind, wobei die Ziele vielleicht erst noch genauer definiert werden müssen. Die Handlungsleitenden Konzepte, die sich in der Schule bewährt haben und die darin integrierten spezifischen Methoden, Verfahren und Techniken müssen vermutlich modifiziert, ergänzt oder ersetzt werden. Weiter ist die Frage zu klären, wer denn eigentlich die Klienten sind; sind es die Kinder, die Erzieherinnen, die Eltern oder alle zusammen? Die Zielvorgaben sind weniger diffus als bei Problemen vom Typ x und weniger eindeutig als beim Typ y.
Die Sogwirkung der Institutionalisierung und der Ritualisierung bringt es mit sich, dass alle Problemtypen sich im Laufe der Zeit dem Typ y annähern. Dies ist im Grunde auch wünschenswert, zumindest nicht zu verteufeln, da routiniertes Arbeiten in Teilbereichen es erst ermöglicht, effektiv und kompetent die gestellten Aufgaben einer Lösung zuzuführen, ohne in der verwirrenden Diffusität oder den Zufälligkeiten des Alltags zu versinken. Um umgekehrt aber nicht der Erstarrung eines computergesteuerten Robotersystems zu verfallen, sind die Evaluation bzw. viel mehr noch die Selbstevaluation und die Supervision notwendige Instrumente, um dieser Entwicklung vorzubeugen. Wenn als Basis des methodischen Umgangs mit Klienten die Verständigungsorientierung anerkannt wird und damit strategisch erfolgszentriertes Handeln (
3.3 Mehrperspektivität von Problemen
Mehr als in vielen anderen Berufen ist in der Sozialen Arbeit die Rede von der Multiperspektivität der Problemgenese und Problemlösung. Dennoch ist die Reduktion von Vielfalt notwendig, um in konkreten Situationen handlungsfähig zu bleiben. Methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit ist Handeln in komplexen Situationen, die nach Dörner (1992, S. 58 ff.) durch Vernetztheit, Dynamik, Intransparenz und (notwendigerweise) ein unvollständiges Strukturwissen gekennzeichnet sind. Eine Vergewisserung wesentlicher Aspekte dieses Handelns, immer unter der Ausrichtung auf einen verständigungsorientierten zirkulären Problemlösungsprozess (
Abb. 2: Perspektiven: Gesellschaft – Lebenswelten – Lebensstile
In der Sozialen Arbeit sind die Problemanalyse-, Interventions- und Reflexionsmethoden bzw. -verfahren im Sinne mehrperspektivischen Denkens und Handelns bezüglich der Problemzuordnung, aber eben auch der Ressourcenfindung auf die Lebensstile und die Lebenswelten der Klienten sowie auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sozialpädagogisches Handeln stattfindet, einschließlich ihrer Wechselwirkungen zu beziehen. In den Lebenswelten sind nicht nur pathogene Wirkungen zu finden, sondern auch salutogene Möglichkeiten zu suchen. Dies beinhaltet auch die Frage, was in der Umwelt zu verändern ist, um positive Veränderungen in den Lebenstilen der Klienten zu bewirken bzw. auch umgekehrt.
3.4 Systematik: Orientierungsraster
3.4.1 Modell
Das »wissenschaftliche« an den Wissenschaften ist, wie erwähnt, das methodische Handeln als ein intersubjektiv überprüfbarer (und meist komplexer) Prozess. In dem Modell des Orientierungsrasters (
Das idealtypische Modell – knappe, abstrahierende Kennzeichnungen (Max Weber) – bildet die Struktur, die Gesamtheit der Elemente ab, die im Weiteren inhaltlich beschrieben werden (Inhaltsebenen) und die in Annäherung zu vollziehen sind, soll professionell methodisch gehandelt werden. Die integrierende Umsetzung der Elemente des Modells findet in der Praxis der Sozialen Arbeit im Prozess des zirkulären Problemlösens (