Sie strich mit der Hand über ihre verworrenen Haare, band ihr Halstuch hastig zu und sah Hubertus erschrocken an. Hubertus’ Augen wurden schmal, er presste seine Lippen zusammen, fluchte leise und knöpfte seinen Mantel zu.
»Verdammt noch mal! Sag dem Schlitzohr, dass wir in aller Ruhe noch etwas besprechen müssen«, sagte er. »Ist er dein Diener oder dein Befehlshaber?«
Jasmin zögerte und schüttelte den Kopf.
»Vielleicht lieber nicht«, sagte sie mit dumpfer Stimme. »Ich will meinen Vater nicht hintergehen. Deshalb muss ich mich doch von dir losreißen, wie schwer es mir auch fällt. Bis zum Herbst ist es nicht mehr lange.«
»Es ist viel zu lange. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben!«
Er griff nach ihrer Hand und führte sie zum Tor. Jasmin hoffte inbrünstig, dass Adam dem Liebesgeflüster auf der Gartenbank nicht gelauscht hatte.
»Ich habe dir doch gesagt, ich komme, sobald wir fertig sind«, fauchte sie, als sie seine grimmige Miene im Hof erblickte. Er drehte sich ohne ein Wort um, rief Nancy etwas zu, die Proviant in die Kutsche legte, hielt die Tür für Jasmin auf, half Nancy auf den Sitz, folgte ihr und nahm die Zügel in die Hand.
»Ich habe dir doch versprochen, dass wir die Bediensteten wieder auf die Spur bringen«, flüsterte Hubertus Jasmin ins Ohr, als er sie zum Abschied küsste. »Fangen wir mit dem da an!«
Jasmin grub ihre Nase in das Taschentuch, das Hubertus ihr beim Abschied in die Hand gedrückt hatte. Beim Duft von Bienenwachs lief ihr ein wohliger Schauder den Rücken hinunter. Sie spürte noch seine warmen, weichen Hände, wie sie ihre Haut immer fester betasteten, hörte sein Flüstern im Ohr, sein Versprechen, bald nach Kebworth zu reisen und ihrem Vater die gute Nachricht zu überbringen, dass er nach Yorkshire ziehen wollte und dass Lord Medway sich doch nicht von seiner Tochter trennen musste. Ihr Kopf füllte sich mit farbenfrohen Träumen von neuen Tapeten und Teppichen, vom Trippeln kleiner Kinderfüße, von dem behaglich eingerichteten Schlafzimmer, in dem sie abends auf ihren Liebhaber warten würde, wenn er nach seinem Tagwerk heimkehren würde. Dass sie jemals unter Albträumen gelitten hatte, war ihr in diesem Moment unvorstellbar. Selbst Adams Schimpfen und Nancys schmollendes Schweigen störten sie nicht. Sie schwebte auf Wolken und hatte nicht vor, jemals wieder hinunterzusteigen. Hubertus liebte sie doch, er war ihr sofort nachgeritten, sogar durch die Nacht hindurch. Nichts würde sie mehr von der Liebe ihres Lebens trennen. Er hatte versprochen, gleich in der Woche darauf nach Kebworth zu reiten.
Adam trieb die Pferde zum Galopp an. Jasmin schlief ein und wachte erst wieder auf, als die Kutsche in Kebworth Place ankam. Kein böser Traum hatte sie geplagt.
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