Einsamkeit überwinden. Doris Wolf. Читать онлайн. Newlib. NEWLIB.NET

Автор: Doris Wolf
Издательство: Bookwire
Серия:
Жанр произведения: Сделай Сам
Год издания: 0
isbn: 9783923614813
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der Partner stirbt,

      •auf Partys, im Theater, Kino etc.

      •im Urlaub, auf dem Bahnhof,

      •nachts.

      Ich könnte die Aufzählung noch beliebig fortsetzen, aber ich erspare uns das. Sie könnten geradezu den Eindruck bekommen, gegen den Einsamkeitsbazillus sei man nirgendwo gefeit und dafür gebe es kein Heilmittel. Sie haben Recht. Ein dauerhaftes Heilmittel gibt es nicht – aber es gibt Möglichkeiten, unsere Abwehr zu stärken und besser damit umzugehen, wenn die Einsamkeitsgefühle auftauchen.

      Es gibt zwei denkbare Erklärungsansätze für Einsamkeit:

      1.Einsamkeit entsteht aufgrund äußerer Umstände und Situationen.

      2.Einsamkeit entsteht aufgrund bestimmter persönlicher Einstellungen.

      Aus den einzelnen Beschreibungen meiner Klienten erkennen Sie, dass Einsamkeit weitgehend unabhängig ist von Alter, Geschlecht und Stand, also davon ledig, verheiratet, geschieden zu sein. Einige Menschen leben nur stundenweise von ihrem Partner getrennt und fühlen sich einsam. Andere leben Monate oder Jahre getrennt und verlieren ihre Sicherheit nicht. Es gibt keine Regel, nach der wir sicher sagen können: „Du und du, ihr werdet euch in dieser Situation einsam fühlen.“ Die erste Erklärung, dass wir uns in bestimmten Situationen einfach einsam fühlen müssen, trifft also nicht zu. Die äußeren Umstände können die Einsamkeit mit beeinflussen, aber nicht verursachen.

      Die Fähigkeit, Einsamkeit zu empfinden, besitzt jeder Mensch. Es gibt kaum einen Menschen, der sich nicht schon einmal in seinem Leben einsam gefühlt hat. Generell lassen sich drei Phasen der Einsamkeit unterscheiden:

       Phase I: Die momentane, vorübergehende Einsamkeit

      Die Einsamkeitsgefühle dauern nur kurze Zeit und sind eine Reaktion auf äußere Umstände. So könnte der Umzug in eine andere Stadt, der Arbeitsplatzwechsel, der Eintritt ins Rentenalter oder auch ein Wochenende, ein Urlaub allein, ein Krankenhausaufenthalt, der Verlust eines Menschen durch Scheidung oder Tod zu kurzfristigen Einsamkeitsgefühlen führen. Ausgelöst durch diese Ereignisse können wir von dem Kontakt mit anderen uns vertrauten Menschen abgeschnitten sein. Diese Phase der Einsamkeit ist nicht schädlich, sondern kann hilfreich sein, uns den neuen Umständen anzupassen. Sie deutet eine Veränderung in unserem Leben an, mit der wir uns erst arrangieren müssen. Sie motiviert uns zum Handeln.

       Phase II: Der langsame Rückzug

      Die Einsamkeit beginnt, sich zu manifestieren. Dies äußert sich im Verlust des Vertrauens in uns selbst und in andere. Wir verlieren langsam und schleichend die Fähigkeit, zu lächeln und Körperkontakt wie durch Händeschütteln und Umarmen aufzunehmen. Wir verändern langsam unsere Art, zu sprechen und uns zu unterhalten. Dies hat zur Folge, dass wir für andere keine attraktiven Gesprächspartner mehr sind.

       Phase III: Die chronische Einsamkeit

      Die Einsamkeitsgefühle dauern Monate oder Jahre. Alle unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und aufrechtzuerhalten, für andere attraktiv zu sein, Anerkennung anzunehmen und zu geben, sind verschwunden. Wir verlernen, anderen etwas zu geben. Andere erkennen, dass sie mehr Probleme als Freude mit uns haben, und meiden uns. So geraten wir in einen negativen Kreislauf. Wir können anderen weniger geben. Andere geben uns weniger und wir zweifeln noch mehr an uns usw. Unsere Fähigkeiten zu kommunizieren werden mangels Training immer weniger und wir fühlen uns immer mehr darin bestätigt, unwichtig und uninteressant zu sein. Schließlich ziehen wir uns vollkommen zurück oder treiben andere durch unsere Aggressivität und unseren Sarkasmus von uns weg. Wir werden apathisch und unfähig zu fühlen. Nicht selten setzen Menschen in dieser Phase ihrem Leben ein Ende.

      Die momentane vorübergehende Einsamkeit werden wir niemals vollkommen aus unserem Leben ausschalten können. Und das ist gut so, denn sie gibt uns die Möglichkeit, unser Leben zu überdenken, zu uns zu finden und neue Aktivitäten zu entwickeln.

      Die chronische Einsamkeit ist jedoch in keiner Weise hilfreich für uns und nimmt uns die Möglichkeit zur vollen Entfaltung unserer Persönlichkeit. Sie schließt uns aus von dem lebendigen Leben, das wir haben könnten. Sie ist ein Zeichen von Selbstentfremdung. Sie entsteht aus dem Bruch zwischen dem, was man ist, und dem, was man gerne wäre.

      Wir wollen uns im Folgenden mit der Vorbeugung und Überwindung der chronischen Einsamkeit beschäftigen.

      Woher kommt es nun, dass wir uns alle manchmal einsam fühlen, aber dass nicht jeder Mensch die Phase III, die chronische Einsamkeit erreicht? Wir haben gesagt, dass Lebensumstände keine ausreichende Erklärung hierfür abgeben können. Also schauen wir uns den zweiten Erklärungsansatz, die persönliche Einstellung näher an. Wir sind offensichtlich unterschiedlich empfänglich für die Einsamkeit. Aber woher kommt die unterschiedliche Empfänglichkeit?

      Die Erklärung ist zwar einfach, aber um so schwerwiegender: Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Empfänglichkeit für Einsamkeit durch bestimmte negative Einstellungen und Sichtweisen entsteht.

      Einsamkeit ist primär ein Zustand des Geistes. Er ist die Folge negativer, selbstschädigender Einstellungen.

      Jeder Einzelne von uns macht sich selbst einsam. Jeder Einzelne ist selbst für seine Einsamkeitsgefühle verantwortlich. Einsamkeitsgefühle entstehen, wenn wir denken, dass wir hilflos, ausgeschlossen, ungeliebt, unfähig, minderwertig etc. sind. Einsamkeitsgefühle sind die Folge unserer Einstellungen, die wir zu uns selbst, zu unserer Lebenssituation und der Zukunft haben. Sie entstehen, wenn wir glauben, die Liebe und Anerkennung anderer unbedingt zu brauchen. Sie entstehen, wenn wir auf die Initiative anderer warten, uns mit Komplimenten, Lob und Zuspruch entgegenzukommen, und uns selbst zurückhalten, weil wir das Risiko fürchten. Sie entstehen, wenn wir es nicht wagen zu lieben, aus der Furcht vor Verletzung und Kränkung oder weil wir bereits gekränkt wurden.

      Viele einsame Menschen geben sich selbst für ihre Einsamkeit die Schuld. Sie glauben, ihre Probleme seien unlösbar und ihre Zukunft sei hoffnungslos. Viele Menschen beschreiben das damit, dass sie sagen, sie seien einsam, weil sie ein mangelndes Selbstvertrauen oder Angst vor Fremden hätten.

      Es wird in unserem Leben immer wieder Augenblicke geben, in denen wir allein sind und uns einsam fühlen. Wir werden alleine geboren, wir sind meist alleine in der Krankheit, werden alleine operiert, bekommen alleine unsere Kinder und wir sterben meist alleine. Ob wir in diesen Situationen auch Einsamkeit empfinden, hängt davon ab, welche Lebenseinstellungen wir haben. Ob wir uns noch weiter zurückziehen und selbst bemitleiden oder uns anderen Menschen gegenüber wieder öffnen, ist unsere eigene Entscheidung.

      Nur weil jeder Mensch diese Entscheidung hat, kann ich dieses Buch schreiben. Nur deshalb kann ich Ihnen versprechen, dass Sie Ihre Einsamkeitsgefühle überwinden können. Einsamkeitsgefühle sind ein Signal Ihres Körpers, dass Ihr Leben nicht so läuft, wie Sie es haben möchten. Nutzen Sie dieses Signal als Ansporn, Ihr Leben zu verändern. Auch Sie haben die Fähigkeit, sich anderen gegenüber zu öffnen und die Welt als einen wunderbaren Ort mit Abenteuern, Freude, Liebe und Begeisterung zu erleben.

      Das Geheimnis glücklicher Menschen, die alleine leben und sich nicht oder nur selten einsam fühlen, ist, dass sie mit sich selbst und ihrem Leben zufrieden sind. Eine liebende Frau, liebende Freunde oder Partner genügen nicht, Einsamkeitsgefühle zu verhindern. Solange Sie denken, dass Sie die Liebe nicht verdienen, weil Sie zu wenig attraktiv, intelligent etc. sind, werden die Einsamkeitsgefühle bei Ihnen zu Gast bleiben. Solange Sie sich nicht selbst einen Lebenssinn verschaffen, werden Sie sich einsam fühlen. Gleichgültig ob Sie verheiratet sind oder allein leben, können Sie Ihre Einsamkeit nicht verändern, indem Sie nur die Situation verändern. Die Kraft zur Überwindung Ihrer Einsamkeit liegt in Ihnen selbst, in Ihren Einstellungen zu sich, der Welt und der Zukunft.

       3Wie entstehen Gefühle?