Langweilig. Langweiliger. Am langweiligsten. Ich muss mich zur Ordnung rufen und an den Scheck erinnern, der auf mich wartet. Sonst würde ich jetzt schreiend rausrennen. Ich bin einfach nicht zum Ermittler geboren. Das Töten liegt mir im Blut. Da muss ich wenigstens nicht mit Leuten reden und so tun, als würden mich die Antworten interessieren.
Ich seufze. „Es muss doch irgendwas geben, weshalb ihn jemand umbringen wollte.“
Sie schüttelt den Kopf. „Da fällt mir nichts zu ein, und ich hab auch schon darüber nachgedacht, warum er ermordet wurde. Er hat über sein Privatleben nicht gesprochen, aber ich hatte immer den Eindruck, dass er ein ganz zufriedener Mensch ohne große Sorgen war. Falls er die hatte, hat er das gut verborgen.“
Jetzt bin ich an der Reihe mit dem Seufzen. „Du weißt also nicht, warum das passiert ist?“
„Nein. Ist für mich genauso unerklärlich wie für dich“ gibt sie zurück. „Aber sein Tod bedeutet für mich das Ende von einem geregelten Job und Einkommen, gefällt mir also ganz und gar nicht. Ich hab also überhaupt kein Interesse an seinem Tod, falls das als nächstes kommt.“
Ich lehne mich zurück in diesem unbequemen Bürosessel und wünschte, ich wäre ganz weit weg. Vielleicht bitte ich meine M.I.A.U. Angestellten, den Fall zu übernehmen. Ich kann ihnen eine Gehaltserhöhung geben, wenn sie den Mörder finden. Das sollte sie ausreichend motivieren. Aargh!
„Ich fand es nur merkwürdig, dass ich all die Süßigkeiten verschenken sollte“, sagt sie plötzlich in die Stille hinein. „Ich hätte sie für einen guten Preis verkaufen oder an den neuen Besitzer weitergeben können. Einige der Gläser waren frisch befüllt, und jetzt sind sie leer. Diese Kinder haben heute hunderte von Darem gegessen.“
Es muss für sie ein schmerzlicher Verlust sein, dass so viel Geld verschenkt wurde. Bald wird sie keinen Job mehr haben, und Kindler hat ihr auch nichts hinterlassen.
Das füge ich zu meiner Liste merkwürdiger Verhaltensweisen von Winston Kindler hinzu. Die wird immer länger, je mehr ich über ihn herausfinde.
„Würde es dir was ausmachen, wenn einer meiner Leute morgen vorbeikommt und sich die Unterlagen hier mal genauer ansieht?“ frage ich sie. „Das würde dir ja auch helfen, da kommt Ordnung in dieses Durcheinander hier.“
Sie schaut sich um, als würde ihr gerade erst auffallen, wie chaotisch das alles ist.
„Das war nicht immer so schlimm“, sagt sie ruhig. „Er mochte es eigentlich immer sauber und ordentlich. Dann hat sich das vor fünf Monaten total geändert. Als ob ihn die finanzielle Lage des Geschäfts überhaupt nicht mehr interessierte. Da fing er auch an, über den Verkauf des Ladens zu sprechen. Das hatte er vorher nie erwähnt. Ich dachte immer, er würde das hier bis zur Rente weitermachen.“
„Vor einigen Monaten? Kannst du sich erinnern, wann genau das war?“ frage ich und mache mir schnell eine Notiz. Endlich etwas, das sich zu einer Spur entwickeln könnte.
Sie runzelt die Stirn. „Es war Winter, ich erinnere mich, dass Schnee gelegen hat. Ich dachte damals noch, wie kalt es wohl wäre, wenn ich diesen Job nicht hätte. Unser Haus ist so schwer zu heizen.“
Davon kann ich auch ein Lied singen. Ich wohne gern in einem großen Haus, aber es ist nicht leicht, es im Winter warm zu halten. In den Mengen, wie wir sie für unsere Kamine brauchen, ist Holz sehr teuer.
„Es war Januar, glaube ich. Ja, Januar.“
Ich lächle sie an. „Danke, das hilft mir wirklich weiter. Gibt’s noch etwas, was damals merkwürdig war?“
Caitlin schüttelt den Kopf. „Nein, deshalb war es auch solch ein Schock, dass er den Laden verkaufen wollte. Es gab dafür vorher keine Anzeichen, absolut nichts. Das kam aus heiterem Himmel.“
Ich stehe auf und stöhne auf, als ich so richtig merke, wie unbequem der Sessel war. Da muss ich wohl einige Dehnübungen machen, besser noch, eine Runde Laufen gehen.
„Lass mich wissen, wenn du dich sonst noch an irgendwas erinnern kannst.“ Ich gebe ihr eine Visitenkarte, nur für den Fall, dass sie die erste schon verloren hat. „Und viel Glück bei der Jobsuche.“
Sie verzieht das Gesicht. „Danke. In dieser Stadt ist das Angebot nicht gerade groß“.
Ich bin schon fast zur Tür raus, als ich noch einmal zurückgehe. „Hab ich fast vergessen. Gibt es hier irgendwo einen Safe? Ich habe in Kindlers Haus einen Schlüssel gefunden.“
Caitlin schüttelt den Kopf. „Nein, wir haben nur den Laden, dieses Büro, eine Toilette und einen Lagerraum. Hier ist kein Platz für so etwas Ausgefallenes wie einen Safe. Er hat die Tageseinnahmen immer am Abend auf die Bank gebracht, zur Sicherheit.“
„Kann ich den Lagerraum mal sehen?“
Ihr Gesichtsausdruck wird jetzt feindselig. „Nein, kannst du nicht. Ich glaube, es ist besser, du gehst jetzt, du hast mich schon zu viel Zeit gekostet. Ich muss den Laden noch saubermachen, und es ist schon spät.“
Interessant. Ich glaube, ich weiß wem ich heute Nacht einen Besuch abstatte. Es geht doch nichts über einen kleinen Einbruch…
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