Am nächsten Tag flog er langsam mit einer Rose in der Klaue über den Wald und knurrte, so laut er konnte. Er war noch nicht lang geflogen, da sah er etwas Blaues auf ihn zukommen. Es war erneut eine Fee.
„Hallo, guter Drache!“, rief sie ihm zu. „Ich bin gekommen, um dir zu erzählen, dass ich genau die richtige Frau für dich kenne. Sie ist die Schönste aller Drachen, jede ihrer Schuppen glänzt in giftigem Grün, ihre Augen funkeln wie Sterne und sie liebt Rosen über alles.“
Der Drache wusste dies bereits und fragte, wo sie denn sei und warum sie nicht auf sein Rufen reagiere.
„Dein Knurren ist äußerst kraftvoll und zeigt durchaus deine Stärke, sie aber liebt es, wenn man ihr sanft etwas vorsingt. Leider wohnt sie so weit weg, dass sie dies nicht hören wird.“
„Ich werde diesen Wald nicht verlassen!“, rief der Drache.
„Das solltest du auch nicht, guter Drache. Nur kann es sein, dass sie nicht kommen wird, da sie sehr schüchtern ist und dein Knurren sie verschreckt.“ Die Fee flog davon und ließ den nachdenklichen Drachen zurück. Sein Knurren war wirklich sehr laut, jeder konnte es hören. Eigentlich musste die schöne Drachenfrau nun bereits wissen, wo er zu finden war. Vielleicht würde sie sich zu ihm wagen, wenn er etwas summen oder leise singen würde. Er wollte es am nächsten Tag versuchen.
Am nächsten Tag flog der Drache mit einer Rose in der Hand und leise summend über den Wald.
Da kam eine grüne Fee auf ihn zugeflogen. „Hallo, guter Drache““, rief sie ihm zu. „Ich bin gekommen, um dir zu erzählen, dass ich genau die richtige Frau für dich kenne. Sie ist die Schönste aller Drachen, jede ihrer Schuppen glänzt in giftigem Grün, ihre Augen funkeln wie Sterne und sie liebt Rosen und Gesang über alles.“
„Wo ist sie denn nun?“, rief der Drache, er war das Warten leid.
„Hat man es dir noch nicht gesagt?“, fragte die Fee erstaunt. „Sie wurde an ihrem Flügel verletzt und kann nicht fliegen. Darum hat sie auch noch kein anderer Drache gefunden.“
„Ich gehe hier nicht weg“, sagte der Drache traurig.
„Ich weiß, guter Drache. Du wirst gewiss eine andere Braut finden.“ Da flog die Fee davon.
Der Drache aber wurde wütend. Er hatte eine Rose geholt, die Blumen wachsen lassen und sogar angefangen zu singen. Er würde diese wunderschöne Drachenfrau schon finden. Und mit diesem Gedanken flog er fort und kehrte nie wieder zu dem Wald Immergrün zurück. Die Feen bauten ihre Heimat wieder auf und nach und nach kehrten die Tiere zurück und die Pflanzen begannen wieder zu blühen.
Den Drachen haben sie nie wieder gesehen. Er fliegt noch immer in der Welt umher und trägt stets eine Rose bei sich. Und manchmal kann man ihn sogar leise singen hören.
*
Die Fuchsbraut
Es war einst ein König, alt und krank,
der lebte in einem fernen Land.
Und er wünschte sich noch vor seinem Tod,
dass sich Elli, seine Tochter, endlich verlobt.
Der König war ein guter Vater
und bat somit seinen Berater,
ganz viele Prinzen einzuladen.
Vielleicht wolle einer Elli haben.
Sein Berater war sehr klug und weise
und plante heimlich, still und leise,
wie er selbst käme auf den Thron,
um dann in diesem Schloss zu wohn’.
Die Prinzen konnte er leicht entsorgen.
Er erzählte, Elli sei verstorben.
Und schickte diese Nachricht weiter,
in jedes Land, mit einem Reiter.
Der König jedoch stellte Fragen:
„Will niemand meine Tochter haben?“
So bat er den Berater dann,
zu werden seiner Tochter Mann.
Der Berater war sofort entzückt,
glücklich und rief ganz verrückt:
„Die Prinzessin, sie wird werden mein!
Und morgen soll die Hochzeit sein!“
Die Prinzessin jedoch war sehr schlau,
wollt niemals werden seine Frau.
So lief sie von zu Hause fort,
an einen weit entfernten Ort.
Sie versteckte sich im tiefen Wald,
es war schon Winter und ziemlich kalt.
Zum Glück fand sie ein kleines Haus,
halb erfroren ruhte sie sich aus.
Dem König ging es immer schlechter,
der Berater jedoch wurde mächtiger.
Nun starb der König, Elli blieb verschwunden,
der alte Berater hatte den Thron errungen.
Es wurde kälter und es fiel der Schnee,
das Haus im Wald war nicht mehr zu seh’n.
Ganz bedeckt mit Schnee und Eis,
hatte es jetzt die Farbe Weiß.
Elli lebte ärmlich, aber zufrieden,
doch eines Tages sah sie im Schnee etwas liegen.
Es war ein Fuchs, verletzt und verloren,
sie nahm ihn mit, bevor sie beide erfroren.
Prinzessin Elli war nun nicht mehr allein
und der Fuchs war froh, bei ihr zu sein.
Es näherte sich die Weihnachtszeit
und alle Sorgen schienen sehr weit.
Am Heiligen Abend stand Elli vor dem Haus
und blickte zum Himmel, der sah wundervoll aus.
Tausende Sterne am Himmelszelt
strahlten hinab auf unsere Welt.
Elli nahm ihren Fuchs in den Arm,
sie liebte sein Fell, es war weich und warm.
Als Elli dem Fuchs ihre Liebe gestand,
da sprang er vom Arm und ein Lichtstrahl entstand.
Weihnachtswunder gibt es dann und wann,
ohne dass man sie erklären kann.
Und anstelle des Fuchses stand nun dort
ein Mann, der aussah wie ein Lord.
Nach langem Erzählen gab es dann Klarheit,
der Fuchs war ein Prinz – und das ist die Wahrheit!
Er wurde verflucht, vertrieben und verwirrt,
doch Ellis Liebe hatte ihn zurückgeführt.
Elli erfuhr vom Tod ihres Vaters
und der Thronbesteigung des Beraters.
Doch auch dessen Leben hatte ein Ende gefunden,