Der Letzte vom "Admiral". Franz Treller. Читать онлайн. Newlib. NEWLIB.NET

Автор: Franz Treller
Издательство: Public Domain
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Жанр произведения: Зарубежная классика
Год издания: 0
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so rasch mit die Masten un det jrausliche Wasser un den Sturm un de jräßliche Dunkelheit. Da hatte ick mir in de Küche verkrochen un habe an meine liebe Mutter un die andern jedacht, un als ick mir endlich uff de jejenwärtige Situation besann, waren de andern weg.«

      »Du wirst wohl der einzige Überlebende vom ›Goliath‹ sein; bei einer See wie die, die über euch kam, konnte sich kein Boot halten. Wie lange ist das her?«

      »Es ist heute der vierte Tag.«

      »Hattest du denn etwas zu essen?«

      »In een Kessel war noch 'n Häppken Salzfleesch, det habe ick mir zu Jemüte jezogen, aber der Durst – Herr Kapitän – der Durst – et wurde immer doller.«

      »Na, min Jong, dat is all öwer! Mach dich hier nützlich an Bord und verdiene deine Kost.«

      »Allemal. Ick werde allens, wat Sie mir ufftragen, uff det prompteste besorjen.«

      »Nu geh nach vorn; was du an Kleidern brauchst, wird dir der Steuermann geben.«

      Jansen nickte ihm zu, und Fritze ging eilig nach vorn. Henrik, der nahe dabeigestanden, hatte die Unterredung mit angehört, und der Berliner Junge hatte ihm sehr gefallen.

      Die Südseeinsel

      Die Sonne sank in den Ozean hinab, als der »Roland« die Insel erreichte, auf welche er zustrebte. Zu dem Kapitän trat der Insulaner von Neuhannover, deutete auf die Bucht, vor welcher das Schiff mit zwei Knoten Fahrt hinstrich, und sagte: »Dort gut, dort Kopra.«

      Die Bucht, rings von dichtem Wald eingefaßt, war von ziemlicher Ausdehnung und bot eine sichere Lee. Der Kapitän ließ die Nahen schwenken und das Schiff außer Fahrt bringen, er war aber zu vorsichtig, um dem Land näherzutreten. Die Jolle wurde ausgesetzt und der zweite Steuermann in die Bucht geschickt, um sich der Wassertiefe zu versichern. Nach kurzer Zeit gab er das Signal, daß der »Roland« ohne Gefahr, aufzulaufen, bis dicht an Land treten könne. Hiernach wurde das Schiff an den Wind gebracht und trat in die Bucht ein. In acht Faden Tiefe ließ es einen der Buganker fallen und schaukelte bald ruhig auf dem Wasser. Die Küste lag schweigend da, als ob nie ein Menschenfuß sie betreten hätte, keine Hütte, kein Kanu war zu sehen. Die Nacht war hereingebrochen und hüllte Meer und Land in ihren dunkeln Schleier.

      Zum Erstaunen Henriks ließ der Kapitän an die Steuerbordwache, welche, trotzdem das Schiff ankerte, vollzählig aufziehen mußte, Büchsen und Revolver verteilen, auch wurden einige kurze Lanzen sowie scharfgeschliffene Beile an die Masten gestellt, um zum augenblicklichen Gebrauch bereit zu sein.

      Henrik gehörte zu dieser Wache, die vom Obersteuermann kommandiert wurde, während Marholm die Hundewache, das ist die von zwölf bis vier Uhr morgens, zu übernehmen hatte. Die an Deck befindlichen Leute hatten es sich bequem gemacht, saßen und lagen mittschiffs, plauderten und rauchten. Am Hinterdeck ging Findling langsam auf und ab. Henrik stand an die Reling gelehnt und schaute, in Gedanken versunken, in die Nacht hinaus. Bilder der Heimat stiegen vor seinem Geist empor. Er sah seine liebe Mutter im kleinen Stübchen beim Schein der Lampe am Tisch sitzen, mit der Nadel beschäftigt. Sein Onkel, Senator Asmus, trat herein und setzte sich zu ihr. Sie plauderten, und erzählten von ihm. Der Onkel liebte ihn wie seinen Sohn; er selbst hatte keine Kinder, und Henrik erwiderte herzlich des alten Herrn Zuneigung. Er nickte seinen Lieben in Gedanken freundlich zu. Während er so sann, kam der Obersteuermann und lehnte sich neben ihm über das Wasser hinaus. Findling unterhielt sich oft, soweit es der Dienst und die Disziplin erlaubten, mit Henrik, und dieser war stets um so mehr darüber erfreut, als der Obersteuermann nicht nur ein sehr geschickter Schiffsführer war, sondern auch eine bei einem Seemann der Handelsflotte nicht gewöhnliche Bildung besaß, die er sich größtenteils durch gut gewählte Lektüre erworben hatte. Auch brachte ihm der Obersteuermann fortwährend aufrichtiges Wohlwollen entgegen.

      »Woran denken Sie, Henrik?« fragte er.

      »An meine Mutter, Herr Findling.«

      Nach einer kleinen Weile erst sagte der Steuermann leise: »Wohl dem, den eine Mutter in der Heimat erwartet.« Henrik wagte nicht zu fragen, ob er den Verlust einer Mutter zu beklagen habe, auch fuhr Findling gleich darauf in einem andern Ton fort: »Der Alte muß dem Frieden hier nicht besonders trauen, nach den kriegerischen Maßregeln zu schließen, die er getroffen.«

      »Martin sagt« – Henrik meinte den alten Matrosen, der am Steuer gestanden hatte, als die Buganker klargemacht wurden – »wir könnten jeden Augenblick eines Überfalls gewärtig sein; er ist wiederholt in diesen Meeren gewesen.«

      »Martin ist ein erfahrener und kluger Bursche, wenn es auch mit der Lese- und Schreibkunst nicht gut bei ihm bestellt ist, und er bestätigt nur, was ich bereits erwähnte und worauf die Vorkehrungen des Kapitäns ja auch hindeuten. Jedenfalls heißt es, die Augen offen halten.«

      »Glauben Sie, daß man dem Neuhannoveraner trauen kann?«

      »Ich habe diese Meere noch nicht befahren und bin deshalb unbekannt mit dem Charakter der Eingeborenen, doch stehen die Leute in Neuhannover im Ruf der Treue und Zuverlässigkeit, auch ist der Mann gut empfohlen.« In diesem Augenblick ging Martin hinter ihnen vorbei, und Findling redete ihn an: »Du warst schon in diesen Gewässern, Martin?«

      »Jo, Stürmann.«

      »Weißt du, wo wir uns befinden?«

      »Nu, Stürmann, ostwärts von Neuguinea, so veel weet ick.«

      »Bist du mit den Eingeborenen hier in Berührung gekommen?«

      »Ick weet blot, dat se Menschenfreter sin.«

      »Menschenfresser?« fragte Henrik. »Sollte das wirklich hier noch vorkommen?«

      »Min leiwe Jong, all die Inseln hier ostwärts von de grote Insel sin voll von Menschenfreters. Als ick vor fif Johren hier segelte, war in dieser Gegend een inglische Vark scheitert, un se hewwen Kapitein un Matrosen richtig upfreten. Wir hewwen all de Knoken und Schädels siehn.«

      »Nette Menschenbrüder«, sagte Findling, und Henrik schauderte.

      »Dat sin Spitzbauwen, Stürmann.«

      »Nun, um so wachsamer müssen wir sein.«

      Martin ging und ließ sich am Langboot neben den andern nieder.

      Der an Bord befindliche Insulaner hatte sich, wie bisher, sein Lager in der Nähe des Langboots zurechtgemacht, wo er vor dem Wind geschützt lag. Er saß wie die Matrosen da und rauchte. Findling rief ihn an, und Atura erhob sich und kam zu ihm.

      »Du kennst die Eingeborenen dieser Insel?« fragte er in englischer Sprache.

      »Ich kenne sie.«

      »Sie sollen Menschenfleisch verzehren?«

      »Das tun sie.«

      »Sind sie den Weißen feindlich gesinnt?«

      »Das nicht, sie schlagen sie nur tot, wenn sie können, um ihre Köpfe als Siegeszeichen zu haben und ihr Fleisch zu essen.«

      »Und du bist ein Freund der Eingeborenen hier?«

      Atura spuckte aus, wie um seine Verachtung erkennen zu geben. »Atura Gentleman, nicht wilder Mann. Atura werden er essen zuerst, schmecken ihm besser als Weißer.«

      »Na, das ist doch wenigstens ein Trost«, sagte lächelnd Findling.

      »Aber wenn die Leute hier, wie du sagst, so begierig auf Köpfe und Menschenfleisch sind, fürchtest du nicht, daß sie uns überfallen könnten?«

      Der Insulaner schüttelte den Kopf. »Er große Angst vor Büchse und kleines Gewehr.« Er berührte leicht den Kolben des Revolvers, der aus Findlings Tasche herauslugte. »Er nicht wagen, er nur ganz heimlich schlagen tot.«

      »So sind wir also, deiner Meinung nach, auf dem Wasser ganz in Sicherheit?«

      »Ganz in Sicherheit.«

      »Aber ans Land kann man sich nicht trauen?«

      »Nicht an Land gehen, sehr gefährlich. Geben mit Pfeil, geben mit Lanze furchtbare