Seewölfe - Piraten der Weltmeere 466. Roy Palmer. Читать онлайн. Newlib. NEWLIB.NET

Автор: Roy Palmer
Издательство: Bookwire
Серия: Seewölfe - Piraten der Weltmeere
Жанр произведения: Языкознание
Год издания: 0
isbn: 9783954398744
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      Impressum

      © 1976/2018 Pabel-Moewig Verlag KG,

      Pabel ebook, Rastatt.

      eISBN: 978-3-95439-874-4

      Internet: www.vpm.de und E-Mail: [email protected]

       Roy Palmer

       Volle Breitseite

       Das Fort mußte weg – und da half nur der Eisenhagel

       Es sah schlimm aus für Jean Ribault, der von dem Bootsmann O’Leary als „Kumpan“ des Piraten Killigrew erkannt worden war. Denn Don Lope, der Kommandant von St. Augustine, hatte die Absicht, den Franzosen zu zerbrechen, um zu erfahren, wo der Seewolf aufzuspüren sei. Die Folterknechte würden Jean Ribault verkrüppeln, das stand fest. Jedoch – was noch niemand geschafft hatte, das gelang dem Franzosen. Er konnte fliehen, und mit seinem Kapitän verschwand auch Roger Lutz. Der Rest der Crew – gefangen in dem Festungskerker – konnte aufatmen. Dabei wußten sie noch nicht, daß auch Jan Ranse und Mel Ferrow ihr Ziel erreicht hatten und auf den Seewolf und den Wikinger gestoßen waren. Das wiederum wurde dem Teniente de Zavallo zum Verhängnis …

       Die Hauptpersonen des Romans:

      Jean Ribault – bereitet zusammen mit Roger Lutz den großen Coup vor.

      Don Lope de Sanamonte – der Kommandant von St. Augustine hat Beschwerden beim Reiten – es bleiben nicht seine einzigen.

      O’Leary – der Bootsmann und die Schwefelbande Sir Johns haben kein Vergnügen an ihrer wiedergewonnenen Freiheit.

      Philip Hasard Killigrew – feuert mit seiner „Isabella“ volle Breitseiten ab.

      Inhalt

       Kapitel 1

       Kapitel 2

       Kapitel 3

       Kapitel 4

       Kapitel 5

       Kapitel 6

       Kapitel 7

       Kapitel 8

       1.

      Mila, die Spanierin, blickte durch das Bleiglasfenster ihres Dachzimmers ins Freie. Jetzt, am Morgen des 30. April 1595, konnte sie verfolgen, was sich in St. Augustine abspielte. Da herrschte einige Aufregung. Soldaten rannten auf und ab, bildeten Trupps und rückten aus. Auch in der Festung war der Teufel los. Mila glaubte sogar, die Stimme des Kommandanten, Don Lope de Sanamonte, herüberschallen zu hören.

      Recht so, dachte sie schadenfroh. Sie gönnte Don Lope die Niederlage. Er hatte nichts anderes verdient. Zwei der Gefangenen, die nachts in den Kerker der Festung eingepfercht wurden und tagsüber Zwangsarbeit leisten mußten wie alle anderen Sträflinge, waren geflohen. Sie schienen spurlos verschwunden zu sein, als ob sie sich in Luft aufgelöst hätten. Don Lope gelang es nicht, auch nur die kleinste Spur von ihnen aufzunehmen.

      Mila lächelte. Sie ließ sich auf einem Stuhl am Fenster nieder und begann mit ihrem Tagwerk. Sie verdiente sich einen Teil ihrer Brötchen mit Näharbeiten und war flink und geschickt mit ihren Fingern. Abends und nachts ging sie einem anderen Gewerbe nach – unten, in der Kneipe. Dort hatte sie auch den Franzosen kennengelernt.

      Das war ein Mann! Mila seufzte, wenn sie nur an ihn dachte. Solch einen Kerl lernte man nicht jede Nacht kennen. Sie wäre froh gewesen, wenn er noch ein wenig länger bei ihr geblieben wäre. Aber es wäre viel zu riskant gewesen, ihn in dem Dachzimmer zu verstecken. Außerdem hatte er seinen Kameraden zu versorgen, der in den Sümpfen auf ihn wartete.

      Unwillkürlich mußte Mila lachen. Sie konnte sich vorstellen, wie Don Lope jetzt auf dem Hof der Festung herumtobte. Zwei Sträflinge entflohen? Das war noch nie passiert. Der Kerker war sicher.

      Keiner von denen, die dort in den Einzel- oder Gemeinschaftszellen einsaßen, dachte auch nur im Traum daran, den Ausbruch zu versuchen. Die Gefängniswärter waren rohe, ungeschlachte Gesellen, die mit der Peitsche so gut wie mit der Pistole umzugehen verstanden. Der Hof der Feste war ständig, auch bei Nacht, von den Soldaten des Don Lope de Sanamonte bewacht. Keine Maus konnte entweichen.

      Doch der Franzose und sein Freund waren ja auch nicht aus dem Kerker ausgebrochen. Sie hatten sich eines anderen, kaum weniger waghalsigen Tricks bedient. Bei der Fronarbeit draußen, außerhalb der Festung, hatten sie zwei Posten überrumpelt und waren in den Wassergraben gesprungen. Sie waren weggetaucht und in der Dunkelheit verschwunden. So einfach hatte es sich angehört, als der Franzose es Mila, der vollbusigen Schönheit, erzählt hatte.

      Aber Mila wußte, wie tollkühn man sein mußte, um den bulligen Wächtern zu entgehen. Sie konnten einen Mann mit ihren Peitschen glatt totschlagen. Es war schon geschehen. Sie kannten weder Gnade noch Pardon, und sie schikanierten die Gefangenen, die derzeit einen Wehrgraben ausheben mußten, wo und wann sie nur konnten.

      Mila haßte Don Lope und dessen Schergen. Warum, das hatte sie dem Franzosen berichtet, als sie in der Pinte zusammengesessen und kräftig geschmust hatten. Die Soldaten, die alles abgesucht hatten, waren an ihnen vorbeigegangen. Offenbar rechneten sie nicht damit, daß jemand, dem eben die Flucht gelungen war, so kaltblütig sein würde, sich in eine Hafenkneipe zu setzen und sich dort ein Schätzchen zu suchen.

      Don Lope de Sanamonte hatte mit einer Freundin von Mila ein Verhältnis gehabt. Als er erfahren hatte, daß das Mädchen ein Kind von ihm erwartete, hatte er sie hohnlächelnd sitzenlassen. Das alles wäre noch nicht so schlimm gewesen – wenn die Freundin nicht mit dem Kind, ins Wasser gegangen wäre.

      Niemand hatte das Mädchen und das Kind retten können. Sie waren im Meer von St. Augustine ertrunken. Nicht einmal ihre Leichen waren geborgen worden. Man hatte sie treiben lassen. Seitdem haßte Mila Don Lope – so tief und innig, wie eine Frau ihres Temperaments zu hassen vermochte.

      Von jenem Moment an, in dem sie dem Franzosen dies erzählt hatte, hatte er gewußt, daß er ihr vertrauen konnte. Mila erfuhr seinen Namen: Roger Lutz. Er schilderte nun seinerseits, was sich zugetragen hatte und wie es zu der völlig aberwitzigen „Verhaftung“ seiner Crew gekommen war.

      Der Narr Don José de Zavallo, seines Zeichens Teniente, hatte sich erdreistet, die deutsche Handelskaravelle „Goldene Henne“ des Handelshauses von Manteuffel in Kolberg einfach zu beschlagnahmen. Er hatte fadenscheinige Vorwände benutzt, um die Karavelle nach St. Augustine zu verschleppen. Beispielsweise behauptete er, es könne nicht angehen, daß ein deutscher Kauffahrer einen Bastard von Indianermischling als Lotse an Bord habe.

      Der „Bastard“ hieß Karl von Hutten und war der Sohn eines deutschen Adligen und einer Indianerin. Doch was ging das den Teniente an? Nichts – die Besatzung war ohne jegliche Rechtsgrundlage verhaftet worden. Man hatte sie an Bord ihres Schiffes nach St. Augustine überführt und einfach zu Gefangenen erklärt, um sie als Zwangsarbeiter auszunutzen.

      Doch der wahre Hintergrund für das Vorgehen der Spanier war der große Bedarf an Schiffsraum, der in St. Augustine herrschte. Don Lope war über jeden Segler froh, den seine Kapitäne und Seesoldaten für ihn „requirierten“.