Gleich darauf die nächste vergebliche Warnung, als er unangebracht Darf ich? fragte. Ja! sagte ich, vom totalem Verlust an Urteilsvermögen betroffen, und um uns beiden peinliches Herumtasten zu ersparen, entledigte ich mich selbst des schwarzen Body; ich war sogar noch stolz, als er seine Entdeckung bestaunte.
Viktor, mein Liebster, der du diese üppige Landschaft meines Körpers immer so vergöttert hast, bis ans Lebensende hättest du schon ihr ausschließlicher Besitzer sein können, wenn du mir noch einmal vertraut hättest!
Nach einem Jahr wirkungsloser Treue kam jetzt also auf billige Art irgendein Bursche Václav in ihren Besitz, der eine unbehaarte Hühnerbrust hatte und schmale Hüften (wie männliche Schaufensterpuppen), ohne viel Federlesens zog ich ihn einfach an mich, bring mir rasch in Erinnerung, wie mans in diesem Alter macht, befrei mich von den alternden Langweilern und gib mich der Jugend wieder!
Au! zwischen den Brüsten ein schmerzhafter Schnitt, hat er mich gebissen? doch die Sicherungen waren durchgebrannt, die männlichen Hände, jetzt fest zudrückend, beraubten mich des letzten Funkens von Hemmungen. Also dann so, wenn nicht anders! Ich kam dem jugendlichen Draufgänger entgegen, als wäre er mein Liebster, ja ich wünschte mir rasend, er möge mich ebenso beseligen wie Viktor der Sieger, denn dann, so glaubte ich, wäre es mit dessen Macht über mich endgültig aus.
Er war in Trance, murmelte ständig etwas dabei, bis ich verstand, was er mir rhythmisch einhämmerte, Sie werden – mir sowieso – was husten ...! die Naivität der Verzweiflung machte mir das ganze Malheur klar, ich befand mich in den Händen eines Anfängers, doch da bäumte er sich auch schon ohne Vorwarnung auf, ein Krampf schüttelte seine schlanke Taille zwischen meinen Knien. Vor Schreck verließ mich nach dem Verstand nun auch die Kraft, ich kam nicht mehr rechtzeitig von ihm los.
Früher als ich war er wieder bei sich, von kaltem Schweiß überströmt ließ er mich los, nahm seine Last von mir und entschuldigte sich stotternd. Ich war sprachlos. Wie konnte mir das passieren?? Mitten im Zyklus!! Nein, mein Gott, solchen Hokuspokus kannst du doch nicht im Sinn haben, übrigens war das gleiche ein paarmal letztes und dieses Jahr geschehen, und nichts! (Viktor habe ich die günstigen Tage in einer verrückten Hoffnung verheimlicht, doch mit meinen Mutterzeiten war es ganz offensichtlich aus und vorbei.)
Dennoch verlangte ich sofort nach dem Bad, seine Spuren widerten mich an. Ganz verstört wies er mir den Weg, mich zu begleiten, wagte er nicht. Ich griff nach Body und Rock, um nicht nackt zurückzukehren. Ich zitterte vor Wut und Demütigung und verspürte zugleich eine sonderliche Genugtuung, als triumphierte mein besseres über mein mieses Ich. (Recht ist dir geschehn!)
Das Badezimmer verriet das Fehlen einer Frau, doch das Privatleben dieses Idioten interessierte mich zuallerletzt. In der Tür fehlte der Schlüssel, ich glaubte aber nicht, daß er es wagen würde hereinzukommen, suchte mir ein Handtuch aus, das am saubersten aussah (weil es braun war), und stieg in die Wanne. Im Spiegel gegenüber sah ich die Bescherung: Gleich über meinen Brüsten prangte ein prächtiges rotes Siegel.
Seit jenem wilden Sommer mit Josef wußte ich, daß es mich mindestens vierzehn Tage schmücken würde, der Reihe nach karmin, violett, blau und grüngelb. In meinem Elend verspürte ich wenigstens die rebellische Hoffnung, Viktor erschiene noch rechtzeitig, um sich daran zu ergötzen. (Vielleicht gibt dir das einen Stich, Liebster, vielleicht wirst du dir darüber klar, in was du da mich und uns beide hineinjagst!)
Warmes Wasser kam keins, ich geißelte mich mit der kalten Dusche wie ein Flagellant, spülte mir den Schoß aus, bis er zur Fühllosigkeit erstarrte. Als dann doch hinter mir die Tür knarrte, verpaßte ich dem feinen Lektor wütend eine Lektion, die er längst verdient hatte.
«Raus hier, aber sofort!»
Eine heisere Stimme antwortete.
«Ich bin hier zu Hause, Fräulein.»
Beim Umdrehen hätte ich ihn beinah naßgespritzt. Der schwarzbehaarte ältere Typ trug nur eine Turnhose, aus der seine Bierwampe quoll, sein Kopf und sein Hals waren gleich dick, wie bei einem Molch. Ich ließ die Handbrause in die Wanne fallen und bedeckte mit den Händen, was sich bedecken ließ.
«Wer sind Sie??»
Zugleich ging mir auf: Der Junge hat mich auch noch nackt durch die elterliche Wohnung promenieren lassen!
«Das hätte ich gern von Ihnen gewußt!» er starrte mich mit Abscheu an, «und auch, wo Václav die Moneten für Sie hernimmt.»
Mir wurde schwarz vor Augen.
«Daß du dich nicht schämst!» fuhr mein schuldbewußter Liebhaber ihn vom Korridor her an, «mach, daß du schläfst!»
Er zog ihn am Ellbogen aus dem Badezimmer. Eine Prügelei lag in der Luft, und was tue ich dann? Der Absurditäten war kein Ende: Der Alte erschlaffte und verschwand gehorsam in der nächsten Tür. Der junge Mann war zum Glück wieder angezogen und schien sich seiner Vergehen bewußt.
«Ich bitt Sie, seien Sie nicht böse! Sie gefallen mir schon lange so ...»
Er hatte sofort spitz, daß dies das letzte war, was ich hören wollte, und ließ mich in Ruhe, damit ich mich allein wieder anzog, erst danach tauchte er mit den Augen eines geprügelten Hundes aus irgendeiner Ecke auf.
«Darf ich mit runterkommen und Ihnen aufschließen?»
Blödmann! fauchte ich, nach jedem Quatsch fragst du, nur nach dem Wichtigsten hast du nicht gefragt!
«Das müssen Sie wohl», versetzte ich laut.
Ich wartete nicht ab, bis er den Lift holte, auf der Treppe kam er kaum mit. Bevor er öffnete, zögerte er, vielleicht wollte er noch mehr Reue zeigen, doch mein Gesicht riet ihm davon ab. Ohne Gruß stürmte ich in die Nacht hinaus, weg von dieser Schande! Ich hörte die Tür nicht ins Schloß fallen, also blickte er mir bestimmt nach, meinethalben solle er dort verrecken!
Der Himmel schickte mir einen Taximann, der zwar in entgegengesetzter Richtung heim zu seinem Bett strebte, doch sich meiner erbarmte. Verzeih mir, mein Gott, betete ich während der Fahrt, und du, Viktor, Liebster, verstoß mich nicht! wiederholte ich quer durch ganz Prag, bis ich mich ein wenig beruhigt hatte.
Das Töchterlein war natürlich nicht zu Hause, den Wein hatte ich gestern ausgetrunken, und meine Zigaretten waren in jener Lasterhöhle geblieben. An lindernden Genüssen blieben mir zwei: ein Bad zu nehmen und mich auszuflennen. Ein Bein über der dampfenden Wanne und drauf und dran loszuheulen, hörte ich das Telephon. Barfuß ging ich hin, auf die übliche Mitteilung gefaßt, daß mein dummer Sprößling (warum kümmert sich schon wieder mal ihr Erzeuger nicht um sie? wieso hab ich alles auszubaden?) irgendwo gesund und munter säuft und vögelt (übrigens ganz die Mutter, der Vater hat seit je nur in der Politik gehurt).
«Stör ich ...?»
So fragte allein Viktor (noch nach zwanzig Jahren).
In den zweieinhalb Jahren seit ihrem fünfzehnten Geburtstag hat meine Tochter mehr Liebhaber zu verbrauchen gewußt als in zwanzig Jahren ich, die ich mir fast wie eine Straßendirne vorkomme. Unlängst hab ich daheim beim Wein die meinen gezählt (das allein schon ein Zeichen des Niedergangs).
Die Bilanz: Gleich den ersten hab ich geheiratet, wegen des zweiten mich scheiden lassen, meine schicksalhafte Liebe, vor der ich gerade deswegen mit dem dritten bis siebten fast manisch ausriß, bis mein Liebster samt der Hoffnung die Nerven verlor und (vor mir) übers Meer flüchtete. Den achten hätte ich aus unzähmbarem leiblichem Bedürfnis, das nach dem Verlust der zärtlichen Liebe über mich gekommen war, fast geheiratet; er nannte mich Mein letztes Geläute (er war fünfundfünfzig), einen langen Sommer hindurch wüteten wir wie die Tiger (wortwörtlich: wir jagten uns in seiner Mansarde herum, Josef sprang von der Couch auf mich runter, und ich wehrte ihn im Spiel mit Armen und Beinen auf dem Teppich ab), er war ganz zerkratzt, und ich konnte vor lauter Knutschflecken nicht ins Freibad. Damals aber hatte Gábina (eine überempfindliche Neunjährige)